Missbrauch einer 12-Jährigen:

Warum hat die Polizei niemanden gewarnt?

Nach der Bestürzung über den Missbrauch einer Zwölfjährigen in Jarmen kommt zur Empörung über diese Tat auch Kritik an der Polizei. Schließlich habe die tagelang geschwiegen und so weitere Kinder gefährdet, meinen gerade Eltern.

Hier soll der Missbrauch stattgefunden haben. Besorgte Eltern sind nun sauer und fragen, warum die Polizei tagelang mit Informationen gewartet hat.
Stefan Hoeft Hier soll der Missbrauch stattgefunden haben. Besorgte Eltern sind nun sauer und fragen, warum die Polizei tagelang mit Informationen gewartet hat.

Wohl hunderte Male fuhren und gingen in den vergangenen Tagen wie üblich Kinder zum beliebten nahen Zarrenthiner Kiessee, kamen dabei auch an den Jarmener Anlagen vorbei oder sogar hindurch. Also jenem Waldstück, in dem am Freitag zuvor gegen 18.30 Uhr eine Zwölfjährige von einem Mann sexuell missbraucht worden sein soll. Auf Nordkurier-Anfrage am Montag bestätigte die Polizei diesen Fall erstmals, zum späten Nachmittag dann gab sie eine offizielle Pressemitteilung heraus - samt Fahndungsaufruf. Bis dahin blieben die Menschen in der Peenestadt und Umgebung, die nichts über den Buschfunk mitbekommen hatten, sozusagen ahnungslos. Und wussten rund drei Tage nichts um die mögliche Gefahr für ihre Sprösslinge.

"Wir können die Befürchtungen der Anwohner nachvollziehen und verstehen", räumt Andreas Scholz ein, Sprecher des zuständigen Polizeipräsidiums Neubrandenburg. Doch den Vorwurf, die Bevölkerung unnötig gefährdet zu haben, weist er zurück. "Am Wochenende war in und um Jarmen so viel Polizei mit einer solchen konzentrierten Aufmerksamkeit im Einsatz, dass wir den Tatverdächtigen sicher festgestellt hätten, wäre er noch vor Ort gewesen."

Angesichts ihrer Erfahrungen mit ähnlichen Fällen seien die Beamten recht guter Dinge gewesen, den gesuchten Mann bald zu fassen. "Das war in diesem Fall leider nichts so", meint der Präsidiumssprecher. Weshalb am Montag dann der Entschluss folgte, nun die Öffentlichkeit in die Fahndung mit einzubeziehen. Die Vorpommern könnten jedenfalls sicher sein, dass seine Kollegen dabei keineswegs nur Jarmen und die nähere Umgebung scharf im Blick haben, unterstreicht er.