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Wenn Blumen Wespen stoppen und Rehe zu Feinschmeckern machen

VonStefan HoeftBei Blumen geht es längst nicht nur um schöne Blüten. So manches Exemplar macht sich auch als Essens-Beilage gut oder Duftspender – ...

Auch der Jarmener Gartenbauchef Eberhard Vorpahl ist begeistert von der schönen „Lillibet“, wie der Kosename dieser duftenden Edelpelargonie lautet.

VonStefan Hoeft


Bei Blumen geht es längst nicht nur um schöne Blüten. So manches Exemplar macht sich auch als Essens-Beilage gut oder Duftspender – allerdings in immer exotischeren Noten. Das offenbarte der Tag der offenen Gärtnerei in Jarmen.

Jarmen.Lillibet heißt die aktuellste Schwärmerei von Gärtnermeister Eberhard Vorpahl, die er nun am Wochenende auch der Jarmener Öffentlichkeit erstmals vorstellte. Schließlich war die Gelegenheit günstig: Sein Familienbetrieb an der Anklamer Straße eröffnete mit einem Tag der offenen Gärtnerei die neue Beet- und Balkonpflanzensaison, zu dem Hunderte Besucher aus dem gesamten Peenetal kamen, aber auch aus Richtung Greifswald und Neubrandenburg. Und Vorpahls „Neue“ ist nicht nur ein echter Hingucker, sondern immerhin die Pflanze des Nordens 2013 – eine Duftpelargonie, gekürt vom Gartenbauverband. Divenhaftes Benehmen sei ihr fremd, sie mache im Halbschatten eine ebenso gute Figur wie in der prallen Sonne, und sei dazu noch pflegeleicht.
„Die kompakt wachsende Schönheit verwöhnt die Sinne mit niedlichen burgunderroten und weißen Blütengesichtern und verbreitet gleichzeitig mit ihren Blättern einen herrlichen Zitronenduft“, werben Mecklenburg-Vorpommerns Gärtner im Steckbrief für Lillibet. Wobei sie schon längst nicht mehr die einzige Zierpflanze ist, bei der die Blüte am wenigsten zum Geruch beiträgt. Denn der Zeitgeist scheint immer neue Kreationen zu verlangen und zu schaffen, deren Sinn sich nicht unbedingt jedem erschließt. So kommen auch in Vorpommerns Blumenläden, Gartengeschäften und Baumärkten zunehmend diverse Blühpflanzen vor die Nase, deren Blätter den Eindruck vermitteln, der Kunde steht nicht gerade vor einer Blume. Schließlich verströmen sie Aromen wie fast quer durch den gesamten heimischen Obstgarten, andere erinnern an Pinien, Pfeffernüsse, Kokos, Rosen oder gar Cola.




„Wir suchen nicht gezielt nach solchen Arten“, erklärte Juniorchef Frank Vorpahl. Denn schon so besteht in der Branche die Qual der Wahl angesichts des riesigen Angebots. Im Jarmener






Gartenbau-betrieb ziehen er und seine Kollegen allein bei den Pelargonien pro Saison 70 Sorten groß, alle unterschiedlich von Blütenform, Farbe und Blättern. Allerdings gebe es von jeher auch Pflanzen, die stärker riechen und genau deswegen gekauft würden, wie bspw. das Duftsteinkraut. Lillibet übrigens soll mit ihrem Zitrusaroma einen Zusatzeffekt erreichen: Angeblich machen Wespen und Mücken einen weiten Bogen um die Schönheit.
Mitunter indes fühlen sich gerade Tiere vom Blütenangebot bei Vorpahls angelockt, wie Eberhard Vorpahl verriet. Damit meinte er nicht nur die üblichen Verdächtigen wie Bienen und Schmetterlinge, sondern auch Rehe. Sie hätten eine Vorliebe für Stiefmütterchen-Blüten, machten sich da immer erst über die gelben Exemplare her, wie die Firma in der Vergangenheit feststellen musste. Und daraufhin bei der Einzäunung kräftig aufrüstete.
Keineswegs draußen bleiben hingegen zweibeinige Besucher, die es aus kulinarischen Gründen auf Blumen abgesehen haben, unterstreicht der Seniorchef. Immerhin gehören zur meist etwas gehobeneren Küche seit Langem auch Blüten als Dekoration und Geschmackserlebnis. Kapuzinerkresse, Kornblumen, Geranien und Hornveilchen sind da nur einige Beispiele. Nicht umsonst holte sich beispielsweise gerade der Koch des Liepener Gutshauses in Jarmen eine frische Ladung Violen, so Vorpahl. Alles passend zum Motto „essbare Landschaften“, mit dem im Nordosten geworben wird.