Dubiose Fördergelder:

Wenn das Geld beim Falschen ankommt

Wenig Geld und hohe Fahrtkosten. Auszubildende in der Region haben es oft nicht leicht. Die finanzielle Hilfe des Landes kommt nicht an. Und der Verdacht liegt nahe, dass das gar kein Zufall ist.

Wenig Lohn und hohe Kosten: Die Ausbildung wird in Vorpommern schnell zum Zuschuss-Geschäft. Da helfen auch dubiose Förderprogramme des Landes nicht.
Waltraud Grubitzsch Wenig Lohn und hohe Kosten: Die Ausbildung wird in Vorpommern schnell zum Zuschuss-Geschäft. Da helfen auch dubiose Förderprogramme des Landes nicht.

Den Betrieb auf Usedom, die Berufsschule in Neustrelitz. Das droht zum Beispiel den künftigen Maler-Lehrlingen im Landkreis Vorpommern-Greifswald. Der neue Entwicklungsplan für die beruflichen Schulen fand im Kreistag zwar eine Mehrheit, aber auch deutliche Kritik. Fahrtwege und -kosten werden für Lehrlinge in den ländlichen Regionen mehr und mehr zum Problem. Fahrtzeiten von zwei Stunden und mehr sind keine Seltenheit, die Vergütungen liegen aber deutlich unter dem Schnitt der Republik.

Offiziell rühmt sich das Bildungsministerium um Mathias Brodkorb (SPD) mit einem großen Fördertopf. 100.000 Euro standen im laufenden Ausbildungsjahr zur Verfügung, um Lehrlingen unter die Arme zu greifen. In Zukunft soll es noch mehr sein, wie man aus Schwerin erst kürzlich stolz verkündete.

Nur ein Bruchteil der Förderung kam tatsächlich an

Doch die Realität ist eine ganz andere. Denn auf Anfrage des Nordkurier räumt man ein: Nur ein Bruchteil des Geldes kam bei den Lehrlingen an. Ein sehr, sehr kleiner Bruchteil. „Im Jahr 2014 wurden insgesamt 441,34 Euro ausgezahlt“, sagt Ministeriumssprecher Henning Lipski.

Wer wirklich einen Anspruch hat, das hängt von zahlreichen Bedingungen und Formalien ab. „Hier wird durch eine bürokratische Monsterrichtlinie der Mittelabfluss verhindert und die Azubis gehen leer aus“, sagt Axel Hochschild, Mitglied im Kreistag und gleichzeitig Landesinnungsmeister der Maler und Lackierer. Pflicht ist auch, dass sich die Unternehmen an den Fahrtkosten beteiligen, damit das Land einen Anteil leistet. „Viele Unternehmen scheuen die Bearbeitung der Antragsunterlagen. In den meisten Fällen unterstützen sie ihre Auszubildenden dann lieber im Alleingang“, so Michael Roolf vom Wirtschaftsverband Handwerk.

Fazit: kaum Anträge, fast keine Auszahlung. Und trotzdem werden die Mittel für das Landesprojekt aufgestockt. Für das neue Ausbildungsjahr sollen 300.000 Euro zur Verfügung stehen, heißt es aus dem Bildungsministerium.

Was passiert mit all dem Geld, das niemand haben will? Ein politischer Kniff sorgt dafür, dass die Gelder an ganz andere Stellen fließen. Nicht genutzte Mittel werden nämlich nicht gespart. „Mittel werden nicht ins nächste Haushaltsjahr übertragen“, räumt Ministeriumssprecher Lipski ein.

Das Geld wird verpulvert

Stattdessen flößen die nicht verbrauchten Beträge in das Budget der Landeszentrale für politische Bildung. Die Bildungseinrichtung, die ebenfalls Minister Brodkorb untersteht, bekam im vergangenen Jahr also knapp 100.000 Euro zusätzlich für ihre politische Arbeit. Und ändert sich nichts, dann wird es im kommenden Jahr wohl fast die dreifache Summe sein. Für Axel Hochschild ein „Skandal“. Das Geld werde zweckentfremdet verpulvert, schimpft der Malermeister.

Das Ministerium tut bisher wenig, um dies zu korrigieren. Während Kreise und Kommunen regelmäßig verpflichtet werden, Studien und Erhebungen für Fördermittel aufzulegen, hat man das Problem der Ausbildungskosten im Ministerium bisher kaum erfasst. Über die reellen Fahrt- und Übernachtungskosten gebe es keine Erhebungen im Haus, sagt der Sprecher. Auch die Einkommenssituation der Lehrlinge werde nicht erfasst.

Daten gibt es allerdings von den Gewerkschaften. Nach Angaben des DGB klagt rund die Hälfte der Lehrlinge im ländlichen Raum über weite Reisewege. Auch die Vergütungen werden beim Gewerkschaftsbund erfasst. Zumindest für die Azubis, die nach Tarif bezahlt werden. Demnach erhält die Hälfte der Lehrlinge pro Monat 500 Euro oder weniger. Brutto!

Immerhin: Das Ministerium arbeite derzeit an neuen Richtlinien für die Zuschüsse, so Sprecher Lipski. Demnach soll auch gezahlt werden, wenn sich der ausbildende Betrieb nicht an den Fahrtkosten beteiligt. Einen konkreten Termin für die Veröffentlichung des Regelwerkes gebe es aber noch nicht.

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