Facebook-Post geht durch die Decke:

Wenn der Polizei der Kragen platzt

Ein kurzer Beitrag der Polizei Anklam im Netzwerk Facebook macht derzeit die ganz große Runde im Internet. Die Polizei räumt darin mit Vorurteilen gegenüber Flüchtlingen auf. Viele Nutzer teilten den Post begeistert - viele Reaktionen sind aber auch erschreckend.

Diesen Betrag veröffentlichte die Polizei Vorpommern auf ihrer Facebook-Seite.
Screenshot von Facebook Diesen Betrag veröffentlichte die Polizei Vorpommern auf ihrer Facebook-Seite.

Am Donnerstagabend ist irgendjemand bei der Polizei-Inspektion Anklam, zuständig für den Landkreis Vorpommern-Greifswald, die Hutschnur geplatzt: Vermutlich angesichts der vielen Beiträge in den sozialen Medien, in denen Stimmung gegen die Flüchtlinge in der Region gemacht wird, konnte der Polizist irgendwann nicht mehr an sich halten. Er veröffentlichte einen Beitrag auf Facebook - im Namen der Polizeiinspektion Vorpommern-Greifswald. Da war es schon fast Mitternacht.

Per Facebook-Beitrag greift er zu simplen Fakten, um die gängige Stimmungsmache gegen Flüchtlinge zu entkräften: Die 2000 Flüchtlinge im Landkreis machten immer noch weniger als ein Prozent der sonstigen Bevölkerung aus, heißt es. Und: "Nein, es hat seitdem nicht mehr Ladendiebstähle gegeben. Nein, es hat seitdem nicht mehr Wohnungseinbrüche gegeben. Nein, es hat seitdem nicht mehr Fahrraddiebstähle gegeben. Nein, es hat seitdem nicht mehr Messerstechereien oder Vergewaltigungen gegeben."

Beitrag hat auch Schattenseite

Was anschließend passierte, damit hatten wohl auch der Verfasser nicht gerechnet: Binnen weniger Stunden erntete der Post tausende Gefällt-Mir-Angaben, am Freitagmittag waren es bereits weit über 11 000, minütlich kamen neue hinzu. Mehrere tausend Internet-Nutzer hatten den Beitrag auch an ihre Facebook-Freunde weiterverbreitet. Bislang hat er nach Polizeiangaben rund 400.000 Menschen erreicht, Tendenz stark steigend.

 

Der Landkreis Vorpommern-Greifswald hat inzwischen ca. 2000 Flüchtlinge aufgenommen. Das sind immer noch weniger als 1%...

Posted by Polizei Vorpommern-Greifswald on Donnerstag, 22. Oktober 2015

Doch es gibt auch eine Schattenseite: Hunderte Facebook-Nutzer kommentierten den Beitrag, viele mit anerkennenden Worten. Mindestens ebensoviele veröffentlichten allerdings auch hassaufgeladene und zum Teil fremdenfeindliche Botschaften. Die Polizei kam zeitweise gar nicht hinterher damit, die fremdenfeindlichen und rassistischen Beiträge zu löschen. Viele glaubten der Polizei auch schlicht nicht, was sie da schrieb: Dass es durch die Asylbewerber nämlich bislang keinen signifikanten Anstieg der Kriminalität im Landkreis gibt.

Tatsächlich hatte es auch in Vorpommern-Greifswald in den vergangenen Monaten durchaus Vorfälle mit straffälligen Asylbewerbern gegeben. So wurde 2014 in Greifswald eine Studentin von einem Asylbewerber aus Eritrea vergewaltigt. In Wolgast, Anklam und Torgelow gab es auch Vorfälle im Bereich der Drogen- und Kleinkriminalität. Die Polizei hatte aber immer wieder betont, dass sich diese Taten statistisch gesehen in einem ähnlichen Bereich bewegten, wie er auch in den übrigen Bevölkerungsgruppen üblich sei.

Daten untermauern die Stellungnahme

Inzwischen hat die Polizei einen weiteren Beitrag auf Facebook veröffentlicht. Darin werden die erstatteten Strafanzeigen im Kreis vom ersten bis dritten Quartal 2014 mit denen des selben Zeitraums in 2015 verglichen. Demnach gab es im Vorjahr 730 Anzeigen wegen Ladendiebstahls, in diesem Jahr waren es 715 Fälle. Auch bei den Fahrraddiebstählen gab es einen Rückgang der Anzeigen von 1425 Fällen in 2014 auf 1270 Fälle in 2015. Die Zahl der Wohnungseinbrüche lag im Zeitraum 2015 bei 180 Fällen, vom ersten bis dritten Quartal 2014 waren es 275.

 

Unser gestriger Post zu den hier in unserem Landkreis (und wohl auch in anderen Regionen) herrschenden Gerüchten über...

Posted by Polizei Vorpommern-Greifswald on Freitag, 23. Oktober 2015

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Kommentare (2)

Vermutlich sind jeden Herbst ganz viele ausländische oder asylsuchende Wildtiere unterwegs die Wildunfälle verursachen. Einheimisches Wild macht dies bekanntlich nicht oder nur sehr wenig.

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