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VonClaudia MüllerMusiker und Künstler haben sich das kleine Pamitz als Treffpunkt auserkoren.Und schaffen es ohne Probleme, Publikum zu Konzerten ...

Bei dieser Truppe dreht sich alles um Musik und Kunst: Heinz-Erich Gödecke, Jens Liesendahl, Erich Raken und Cornelia Müller-Gödecke (v.l.) treffen sich regelmäßig in Pamitz. [KT_CREDIT] FOTOs: Claudia müller

VonClaudia Müller

Musiker und Künstler haben sich das kleine Pamitz als Treffpunkt auserkoren.
Und schaffen es ohne Probleme, Publikum zu Konzerten anzuziehen.

Pamitz.Sie waren Computerspezialistin, Forschungsingenieur und Verkäufer für Unterhaltungselektronik, aber immer auch Musiker und Künstler. Jetzt sind sie im Rentenalter, aus dem Westen nach Vorpommern gezogen und können sich ganz auf die Musik und die Kunst konzentrieren. Ihre Zentrale ist eine ehemalige Schrotmühle im kleinen Pamitz zwischen Klein Bünzow und Karlsburg. Erich Raken, der Komponist und Klavierspieler, hat immer schon von einem großen Raum geträumt, in dem seine zwei Flügel Platz finden und gut klingen. Nun heißt die ehemalige Mühle „Atelier Pamitz“ und ist sowohl Wohn- als auch Arbeitsort für Raken und seine Familie. Und sie ist Treffpunkt, Schulzimmer und Veranstaltungsort. Denn Erich Raken und seine Freunde, zu denen auch der Musikdozent Jens Liesendahl gehört, geben Musikunterricht und organisieren Konzerte und Theateraufführungen.
Und es fällt ihnen offenbar nicht schwer, die Schrotmühle zu Konzerten mit klassischen Stücken, Improvisationen oder ungewöhnlichen Instrumenten-Kombinationen wie Klavier und Schlagzeug zu füllen. „Wenn wir das in Hamburg machen würden, hätten wir mehr Schwierigkeiten“, sagt Heinz-Erch Gödecke, der unter anderem Posaune spielt und komponiert und in Hamburg Jazzkonzerte organisiert hat. In der Großstadt müsse man teure Räume mieten und Werbung machen. Und dann sei immer noch fraglich, ob viele kommen. Denn auch in Hamburg sind die Wege weit und nur Superstars ziehen, sagt Heinz-Erich Gödecke.
In Vorpommern haben die Musik-Begeisterten hingegen viele Gleichgesinnte, Musiker-Kollegen und kulturell Interessierte gefunden, die einander kennen und ein Netzwerk bilden. Kulturell ist viel los in der Region und das Publikum ist viel aufmerksamer, haben sie bemerkt. Hergezogen hat die Mitglieder der Atelier-Gruppe aber ursprünglich die Natur, die Ruhe und das Ursprüngliche: Vieles ist nicht eingezäunt - das Offene ist schön, sagt Erich Raken, der auch am Klavier die Landschaft immer vor Augen hat – die großen Fenster der Schrotmühle machen es möglich.
Abgesehen von den beiden Flügeln der berühmten Marken Steinway und Blüthner steht im Atelier eine ganze Palette von Musikinstrumenten bereit. Gitarren, Trommeln, Flöten, Rasseln sowie mehrere Exemplare des australischen Blasinstruments Didgeridoo warten auf Neugierige. Erich Raken und Jens Liesendahl unterrichten unter anderem Kinder und Jugendliche aus einem Kinderheim in der Region, würden aber auch erwachsene Musikschüler annehmen. Notenkenntnisse oder Fingerübungen am Klavier sind nicht erforderlich – man kann trotzdem Musik machen. Der Spaß soll im Vordergrund stehen.
Am Pfingstmontag öffnet das Atelier Pamitz ab 12 Uhr seine Türen und schließt sich damit den vielen Veranstaltungen der traditionellen Pfingst-Aktion Kunst:offen an. Musik zum Zuhören und Mitmachen steht im Mittelpunkt, aber es wird auch eine Foto-Ausstellung mit Bildern von Cornelia Müller-Gödecke zu sehen sein.
Infos und Kontakt im Internet: www.atelier-pamitz.de