Arbeitsmarkt:

Wie behält man nur die jungen Ärzte hier?

Junge Ärzte, die in Greifswald studierten, wandern noch allzu oft ab, auch um ihre Facharztausbildung vor allem in den großen Städten abzuschließen. Wie man sie halten kann, darüber machen sich gestandene Mediziner Gedanken. In Vorpommern soll eine lückenlose Ausbildung möglich werden.

Als Erste in Mecklenburg-Vorpommern schlossen drei medizinisch unterschiedliche Bereiche einen Vertrag ab. Ihr gemeinsames Ziel ist es, junge Ärzte gut auszubilden und sie in der Region zu halten.
Angela Stegemann Als Erste in Mecklenburg-Vorpommern schlossen drei medizinisch unterschiedliche Bereiche einen Vertrag ab. Ihr gemeinsames Ziel ist es, junge Ärzte gut auszubilden und sie in der Region zu halten.

Am Anfang stehen die Zahlen. Und die hat Dirk Scheer, Gesundheitsdezernent im Landratsamt. Bis 2030 leben im Landkreis doppelt so viele Senioren wie jetzt. Das wären dann etwa 74 000 Personen. Erfahrungsgemäß haben davon rund 30 Prozent Probleme mit dem Herzen oder Diabetes, sagt er. Darauf muss man sich einstellen. Deshalb muss gut ausgebildetes medizinisches Personal in der Region gehalten werden. Doch wer bisher ein richtig guter Facharzt werden und bei der Ausbildung verschiedene Stationen durchlaufen musste, der ging meist woanders hin. Weil er sich eine bessere Ausbildung erhoffte, hier nicht alles vorfand?

„Den Absolventen müssen wir die Möglichkeit geben, hier zu bleiben – und nicht über die A 20 an uns vorbeizufahren“, umschreibt Prof. Dr. Wolfgang Motz, der Ärztliche Direktor des Karlsburger Klinikums, die Situation. Die Lösung: Den künftigen Fachärzten soll in der hiesigen Region die Möglichkeit gegeben werden,  völlig problemlos alle Ausbildungsstufen zu absolvieren. Doch die vorpommerschen Mediziner reden nicht nur, sie erproben schon seit einiger Zeit, wie das am besten gehen könnte. Dabei sitzen neben den Karlsburgern die Asklepios Klinik Pasewalk sowie die internistische Facharztpraxis von Dr. Cornelia Weirich und Dr. Christine Bahr in Pasewalk mit im Boot. Also drei völlig unterschiedliche Einrichtungen. Für ihre weitere Qualifizierung sollen die künftigen Internisten problemlos zwischen den drei Einrichtungen wechseln können. Als Erste in Mecklenburg-Vorpommern zurrten die Partner das sogar in einem Vertrag fest.

"Um die Versorgung steht es gut"

So wechselt beispielsweise ein junger Arzt, der derzeit in Karlsburg ausgebildet wird, ab 1. Januar in die internistische Facharztpraxis nach Pasewalk. Denn bis ein Internist so richtig gut ausgebildet ist, kann das immerhin bis zu fünf Jahre dauern. In der Praxis von Cornelia Weirich und Christina Bahr wird der junge Kollege schon sehnsüchtig erwartet. „Wir haben derzeit einen Arbeitstag von zehn bis zwölf Stunden. Trotzdem müssen wir Patienten vertrösten“, beschreibt Christine Bahr die Situation.

Doch wie viele Ärzte sich niederlassen dürfen, das legt die Bedarfsplanung der Kassenärztlichen Vereinigung fest. Danach bestimmt vor allem die Einwohnerzahl den Bedarf. Neuerdings kommt aber auch die Altersstruktur der Einwohner mit ins Spiel. Derzeit sieht es mit der ärztlichen Versorgung in der hiesigen Region gut aus, schätzt Asklepios-Geschäftsführer Steffen Vollrath ein, auch wenn ständig gut ausgebildete Fachärzte gesucht werden. Damit die jungen Ärzte hier bleiben, ist aber auch eine entsprechende Infrastruktur nötig, meint er mit Blick auf die Kommunen. Bauland, Kitas, Schulen, Kultureinrichtungen und Einkaufsmöglichkeiten gehören dazu. Aber darüber wird in gesonderten Runden mit den Vertretern der Städte noch zu reden sein.

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