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Wie viel Landwirtschaft müssen und können unsere Straßen vertragen?

Von Stefan Hoeft Gehen das Amt und die Kommunen gegen zu heftigen Lasterverkehr auf den Gemeindestraßen vor? Und wenn ja, wie? Auf diese Fragen will das ...

Die Tollensebrücke bei Osten ist selbst offenbar kein Problem, was schwere Fahrzeuge angeht. Doch die Zufahrten sind auf 5,5 Tonnen beschränkt, Ausnahmen nur für Landwirtschaft und Forst erlaubt.  FOTOs: Stefan Hoeft

Von Stefan Hoeft

Gehen das Amt und die Kommunen gegen zu heftigen Lasterverkehr auf den Gemeindestraßen vor? Und wenn ja, wie? Auf diese Fragen will das Jarmener Rathaus noch in dieser Woche Antworten finden. Denn das Problem betrifft keineswegs nur Güllebomber aus der Ferkelfabrik in Alt Tellin.

Jarmen/AltTellin. „Das ist eine ganz schwierige Materie“, gesteht Jarmens Vizebürgermeister und Ordnungsamtsleiter Rainer Hardt ein. Schließlich gelte es einerseits die Interessen der Landwirtschaft mit denen der Allgemeinheit abzuwägen und andererseits Recht und Gesetz einzuhalten. „Wir werden und wollen Lkw ja nicht aus den Dörfern und von den Gemeindestraßen verbannen. Aber wir müssen einen Weg finden, dass wir unsere Straßen in einem annehmbaren Zustand erhalten.“ Zumal Geld für größere Reparaturen fast überall fehlt.

Dabei stehen die Behörden jetzt unter Zugzwang, nachdem es in den vergangenen zwei Wochen mehrere Beschwerden und sogar eine Anzeige gab, weil Tankwagen von der Schweinezucht Alt Tellin aus über auf 5,5 Tonnen beschränkte Straßen auf die andere Seite des Tollensetales wechselten (der Nordkurier berichtete). Schließlich sind die deutlich schwerer und hätten für ihre Touren großteils Kreisstraßen nutzen können. Obendrein dürften sie beziehungsweise ihre Abnehmer keineswegs als Anlieger des ländlichen Weges unmittelbar an der Tollensebrücke gelten, meinen Kritiker. Sprich hier gehe es nicht um die Erschließung örtlicher Ackerflächen, für die ja Ausnahmen hinsichtlich des Tonnage-Limits bestehen. Und damit wäre die Fahrt mit solch schweren Fahrzeugen dort illegal.

Selbst vor Ort einschreiten und die Transporte so stoppen könne die Stadtverwaltung allerdings nicht, unterstreicht der Vizechef. „Wir können das nur vom Schreibtisch aus machen. In den fließenden Verkehr darf nur die Polizei eingreifen.“ Die indes habe sicher etwas anderes zu tun, als ständig auf solche Fahrzeuge zu warten. Sodass wohl die beste Lösung sei, wenn das Ganze über konkrete Anzeigen passiere. Sprich die Leute das Ordnungsamt möglichst inklusive Fotos darüber informieren, wann, wer und womit unerlaubter Weise mit einem sichtlich zu schweren Fahrzeug unterwegs war.
Gleichwohl weiß Hardt, dass er sich allein darauf nicht verlassen kann und darf, nicht zuletzt wegen der schwierigen Beweislage. Überdies empört es nicht wenige, wenn sich die Behörden in solchen Dingen hinter den Bürgern verstecken. Deshalb wolle die Verwaltung noch diese Woche absprechen und sich positionieren, wie es in dieser Angelegenheit weitergeht. Immerhin muss das Rathaus ja auf die konkrete Anzeige reagieren. „Wir bleiben an dem Problem dran“, versichert er unserer Zeitung.

Zumal die Güllebomber aus der Ferkelfabrik nicht die einzigen derartigen Fahrzeuge sind, über die es aus den Dörfern des Amtsbereiches Jarmen-Tutow Klagen zu hören gibt. Und dann seien da ja noch andere „landwirtschaftliche Transporte“, wie beispielsweise im Herbst und Winter all jene Laster, die aus der Region Rüben zur Zuckerfabrik Anklam bringen, und dabei manche Abkürzung wählen, die verboten und für Gemeindestraßen absolut unverträglich erscheint.

„Da gab es letztes Jahr schon Beschwerden aus der Gemeinde Völschow“, erinnerte der Ordnungsamtsleiter. „Dank“ der jetzigen Güllebomber-Debatte finde sich nun ja schon lange im Vorfeld eine Lösung für diese Sorgen, hofft er. Die Jarmener Verwaltung stehe damit übrigens nicht allein. Auch im Nachbaramt Demminer Land gebe es diese Diskussion.