Notfälle:

Wieso kommt der Rettungshubschrauber nur am Tag?

Der Greifswalder Helikopter steht derzeit nur von 7 Uhr bis Sonnenuntergang zur Verfügung. Der Kreis würde das gern ändern – wird dafür aber wohl dicke Bretter bohren müssen.

Einsatz in Anklam: Der in Greifswald stationierte Helikopter Christoph 47 bringt schnelle Hilfe.             
Jörg Foetzke Einsatz in Anklam: Der in Greifswald stationierte Helikopter Christoph 47 bringt schnelle Hilfe.  

Der Widerspruch ist offensichtlich: Wer zwischen 7 Uhr und Sonnenuntergang dringend Hilfe braucht, etwa nach einem Herzinfarkt oder Schlaganfall, kann in weiten Teilen Vorpommern-Greifswalds auf den Rettungshubschrauber hoffen. Der fliegt auch Einsätze im Bereich Vorpommern-Rügen und Mecklenburgische Seenplatte, insgesamt kommt der Hubschrauber Monat für Monat auf rund 100 Einsätze.

Auch nachts Schlaganfälle, Herzinfarkte oder ähnlich schwere Notfälle

Wer allerdings außerhalb der Hubschrauber-Einsatzzeit gerettet werden muss, kann grundsätzlich nicht auf den Helikopter hoffen – und das ist eigentlich paradox: „Denn selbstverständlich gibt es auch nachts Schlaganfälle, Herzinfarkte oder ähnlich schwere Notfälle“, sagt Dirk-Scheer, Sozialdezernent beim Landkreis und auch zuständig für die Rettungsdienste. Im Zuge der Neuordnung der Rettungsdienste hat sich Scheer auch die Rettungshubschrauber-Zeiten vorgenommen und kündigt an, sich künftig intensiver um eine Ausdehnung der Einsatzzeit auf die Nachtstunden einzusetzen.

Landeplätze fehlen

Die technischen Voraussetzungen dafür sind im Prinzip gegeben, sagt Walter Dittmann, Rettungshubschrauber-Pilot in Greifswald: „Unsere Hubschrauber sind für Nachtflüge ausgerüstet, und unsere Piloten sind ebenfalls dafür ausgebildet.“ Technische Hürden gibt es dennoch: „In der Regel kann nachts nur auf speziell beleuchteten und zertifizierten Plätzen gelandet werden.“ Die müssten im Landkreis erstmal geschaffen werden, was viele Tausend Euro kosten würde. Außerdem würden sich die Personalkosten für die Hubschrauber-Besatzungen erhöhen, denn bei ihnen müsste personell aufgestockt werden.

Nur in acht Stationen starten die Retter auch nachts

Die Kosten für den Hubschrauber trägt aber zum größten Teil nicht der Kreis, sondern das Land und die Krankenkassen – dort müsste der Kreis-Dezernent vermutlich reichlich Überzeugungsarbeit leisten. Zumal es in Deutschland bislang eher unüblich ist, dass Hubschrauber nachts fliegen: Gerade mal an acht von 28 Stationen der DRF Luftrettung starten die Retter auch nachts. So sieht denn auch Kreis-Dezernent Scheer ein, dass er dicke Bretter wird bohren müssen: „Aber deswegen können wir ja nicht von vornherein die Flinte ins Korn werfen.“

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