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Zur Rettung der Jugendclubs braucht es noch viel Kraft

Gute Nachrichten, die eigentlich gar keine sind: So etwas produziert der Politikbetrieb gerne mal – so etwa die neueste Schweriner „Erfolgsmeldung“: „Die Jugendsozialarbeit ist gerettet“ schallt da nämlich aus dem Landtag. Bloß: Ganz so schön ist es dann doch nicht.

Zeigen Stärke für den Mühlentreff: Vadim Razzorenov (17), Denis Tadarykin (17) und Alex Dvornikov (16).
Oliver Wunder Zeigen Stärke für den Mühlentreff: Vadim Razzorenov (17), Denis Tadarykin (17) und Alex Dvornikov (16).

Die Landesregierung wird auf die geplanten Kürzungen bei der Jugendsozialarbeit verzichten. Was jetzt am Rande des Landtags-Sozialausschusses in Schwerin bekannt wurde, ist allerdings nur zum Teil die rettende Botschaft für die Jugendclubs zwischen Greifswald und Pasewalk, darunter auch der Anklamer Mühlentreff und der ASB-Jugendclub in Ducherow. In über 40 dieser Clubs warten die Mitarbeiter zurzeit auf eine Entscheidung über ihre Zukunft: Sie alle bekamen Bereits im Sommer die Kündigung zum 31. Dezember.

Der Grund: Die Landesregierung wollte ihre Zuschüsse für die Arbeit reduzieren – und natürlich waren weder Kreis noch Gemeinden in der Lage, das Minus auszugleichen. Zuletzt hatten sich die Kreispolitiker Marco Schulz (CDU) aus Anklam und Patrick Dahlemann (SPD) aus Torgelow in einem offenen Brief an ihre Landtags-Fraktionen gewandt und um eine Rücknahme der Kürzungspläne gebeten. Das hatte ihnen den Spott sowohl von Oppositions-Politikerin Jeannine Rösler (Linke) als auch von Bernd Schubert (CDU) eingetragen. Die Kürzungen seien längst beschlossene Sache und nicht mehr abzuwenden, hatten Rösler und Schubert einhellig kritisiert.

Landesgelder nur für 2014 gesichert

Jetzt allerdings verkünden Schulz und Dahlemann mit stolz geschwellter Brust: Unser Brief hat in Schwerin offenbar ein Umdenken ausgelöst! „Es war sicher sehr günstig, dass wir uns parteiübergreifend beide zu Wort gemeldet haben“, sagt Dahlemann, der für den Spott von Rösler und Schubert jetzt nur ein müdes Lächeln übrig hat. „Da soll noch mal einer sagen, wir wüssten nicht, was wir tun!“

Marco Schulz mahnt dann allerdings, die jetzt getroffene Entscheidung sei allenfalls ein Etappensieg: „Die Landesgelder sind jetzt nur für 2014 gesichert. Wir brauchen aber für die Jugendarbeit eine langfristige finanzielle Sicherheit. Es ist doch wirklich paradox, dass niemand bestreitet, wie wichtig diese Arbeit ist, aber niemand bereit ist, dann auch Geld dafür zur Verfügung zu stellen.“

Und es kommt noch dicker: Auch für Vorpommern-Greifswalds Jugendsozialarbeit sei noch keine prinzipielle Entwarnung gegeben, warnt Kreis-Sozialdezernent Dirk Scheer. Denn die Landes-Gelder reicht der Kreis an die Jugendclubs weiter. Außerdem muss er sie noch mit einem Eigenanteil aufstocken – und spätestens da wird die Sache haarig. „Denn bis es so weit ist, muss erst einmal unser Haushalt beschlossen und genehmigt werden“, mahnt der Dezernent.

"In letzter Konsequenz ist noch nichts entschieden"

Heißt im Klartext: Erst müssen die Kreis-Politiker den Haushalt absegnen, dann müssen Spar-Berater und Innenminister ihn noch genehmigen. Und weil das garantiert mindestens bis zum Frühjahr dauert, muss außerdem noch eine Ausnahmegenehmigung her, mit der die Gelder ab Januar 2014 übergangsweise auch ohne fertigen Haushalt ausgereicht werden. Fazit: Die gekündigten Sozialarbeiter müssen wohl noch mehrere Wochen auf die Nachricht warten, dass ihre Jobs und damit die Jugendarbeit im Kreis gesichert sind.

Und auch, wenn Patrick Dahlemann der Meinung ist, das seien „im Grunde alles nur Formalitäten“, warnt Scheer vor übertriebenem Optimismus: „Es tut mir wirklich leid für die Betroffenen, aber in letzter Konsequenz ist noch nichts entschieden.“