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Auf der Suche nach dem Idealrezept gegen Verschwendung

Köln.Der Apfel hat eine Druckstelle, die Möhre wirkt schrumpelig, das Haltbarkeitsdatum auf dem Joghurtbecher ist gerade abgelaufen – das alles reicht, um ...

Köln.Der Apfel hat eine Druckstelle, die Möhre wirkt schrumpelig, das Haltbarkeitsdatum auf dem Joghurtbecher ist gerade abgelaufen – das alles reicht, um in den Abfalleimer zu fliegen.
Jedes achte Lebensmittel, das der Verbraucher hierzulande kauft, landet nicht im Magen, sondern im Müll. Manchmal noch in der Originalverpackung. „Die Werbung suggeriert uns, wir sollen kaufen, kaufen, kaufen“, sagt Greenpeace-Agrarexperte Martin Hofstetter. Ein gigantischer Lebensmittel-Abfallberg von elf Millionen Tonnen pro Jahr geht zu 61 Prozent auf das Konto der privaten Verbraucher. Für den Rest sind Industrie, Gastronomie und der Handel verantwortlich.
Die vor gut einem Jahr ins Leben gerufene Kampagne „Zu gut für die Tonne“ von Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) reiche nicht aus, meint Hofstetter. Auch nicht, wenn nun der Handel aktiv mitmache, „um sein Image aufzupolieren“, sagt er mit Blick auf die in Köln gestartete Info-Aktion gegen Verschwendung von Aigner, Landfrauenverband und dem Discounter Penny. „Man müsste dort, wo die Menschen einkaufen, einfordern, dass sie nur das mitnehmen, was ihnen wirklich im Kühlschrank fehlt. Aber das widerspricht natürlich den Interessen des Handels und der landwirtschaftlichen Betriebe.“
Ein Blick über den Tellerrand ist geboten: In Deutschland werden lediglich zwölf Prozent des verfügbaren Einkommens für Lebensmittel ausgegeben. In den Entwicklungsländern muss die Bevölkerung 40 bis 50 Prozent für Essen aufwenden. Bei den Armen in den Städten sind es 80 bis 90 Prozent, sagt Ernährungsfachmann Johannes Küstner von Brot für die Welt. „Wenn sich die Preise für Grundnahrungsmittel erhöhen, kann das für sie existenzielle Auswirkungen
haben“.
Die Verschwendung von Lebensmitteln in wohlhabenden Ländern treibe die Preise mit in die Höhe. Küstner ist skeptisch, ob es gelingen kann, die Menge der weggeworfenen Lebensmittel EU-weit bis 2020 zu halbieren. „Das kann nur funktionieren, wenn man Industrie und Handel mit in die Pflicht nimmt.“ Denkbar sei etwa eine Abfallsteuer.
Rewe-Vorstand Jan Kunath hält eine verbindliche Regelung für Industrie und Handel dagegen nicht für sinnvoll. „Das würde wenig Erfolg bringen, denn man muss beim Verbraucher ansetzen, der ja den größten Anteil an der Lebensmittelvernichtung hat.“ Der Handel solle allerdings den übermäßigen Einkauf „nicht befördern.“