:

Auf diese Kinder kommt es dem Ministerpräsidenten an

VonPaulina JasmerMorgen treffen Neubrandenburger Viertklässler zum ersten Mal Ministerpräsidenten Erwin Sellering und gehen mit ihm in der Staatskanzlei ...

Die jetzigen Viertklässler der Grundschule Ost haben zwei Jahre lang an einem Musical gearbeitet, das sie in ihrer gemeinsamen Zeit im Hort einstudiert und im Januar uraufgeführt haben. Jetzt werden sie von Ministerpräsident Erwin Sellering ausgezeichnet.[KT_CREDIT] FOTO: P. Jasmer

VonPaulina Jasmer

Morgen treffen Neubrandenburger Viertklässler zum ersten Mal Ministerpräsidenten Erwin Sellering und gehen mit ihm in der Staatskanzlei spazieren. Doch ein offener Brief an den Staatsmann trübt die Euphorie.

Neubrandenburg.Thania ist die Prinzessin. Und das schon seit gut zwei Jahren. Während sie dafür ihr langes schwarzes Haar bändigt, kann sie in puncto Temperament aber so richtig Gas geben. „Und dem Kapitän das Leben schwer machen“, sagt die Elfjährige aus Neubrandenburg. Sie lebt ihre Rolle der Prinzessin ganz und gar. Sie hat sie für das Musical „Das geheime Leben der Piraten“ einstudiert.
Thania gehört zur Projektklasse, die durch die Kooperation der Grundschule Ost und der Lebenshilfe Neubrandenburg zustande gekommen ist. Darin heißt es, dass die Klassenkameraden auch gleichzeitig die Hortgruppe am Nachmittag sind und daher ganz viele Stunden gemeinsam verbringen. Und in diesem Verband ist auch die Idee des Musicals entstanden, das die Kinder nach zwei Jahren Proben, Kostüme schneidern und Kulissen anfertigen Ende Januar auf die Bühne gebracht haben (der Nordkurier berichtete).
Mike Kluge, Ergotherapeut in der Lebenshilfe Neubrandenburg, war damals das Zünglein an der Waage, diese Idee zu verwirklichen. Und gerade dieses Projekt ist es auch, was die Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern beeindruckt hat und die Schüler deshalb mit dem Landespreis „Wir sind K(k)lasse“ morgen, zum Kindertag, auszeichnet.
Allerdings hat nun ein offener Brief – der auch unserer Redaktion vorliegt – von Mike Kluge an die Landesregierung für Überraschung gesorgt. Denn Mike Kluge beklagt darin, dass nicht alle Mitwirkenden nach Schwerin eingeladen worden seien. Er meint damit die Erwachsenen mit Behinderung, die in der Tagesstätte der Lebenshilfe betreut werden, und das Musical musikalisch unterstützt hatten. Auch ihnen gebühre Anerkennung heißt es in dem Brief sinngemäß. Er fährt fort, dass in einer Zeit, in der es um „Umsetzung eines inklusiven Bildungssystems“ gehe, „es für uns unverständlich ist, genau diese Teilnehmer des Musicals von der Preisverleihung auszuschließen. Auch wenn sie nicht zur ,Schulklasse‘ gehören (...).“ Mike Kluge fordert daher, dass der Ministerpräsident seine Entscheidung noch einmal „überdenken“ solle.
Über seinen Regierungssprecher Andreas Timm lässt Erwin Sellering auf Nachfrage ausrichten, dass es bei der Einladung, wer zur Verleihung des Landespreises anreist, zu keinem Zeitpunkt um eine Entscheidung für oder gegen Menschen mit Behinderung gegangen sei. „Gleichzeitig findet es der Ministerpräsident großartig, was in der Lebenshilfe alles realisiert wird“, so Andreas Timm.
Nichtsdestotrotz ist allein die Schulklasse zur morgigen Preisverleihung eingeladen, betont Timm, eben auch weil diese an den Kindertag gebunden sei und Erwin Sellering diesen besonderen Tag auch mit Kindern feiern möchte. Das Engagement der Lebenshilfe Neubrandenburg beeindrucke ihn hingegen sehr und er hat deshalb einen dortigen Besuch für den Sommer angekündigt.

Kontakt zur Autorin
p.jasmer@nordkurier.de