Interaktive Puppe kommt in US-Läden :

Barbie überwacht das Kinderzimmer

Eine Puppe, die mit den Kindern spricht: In den USA sorgt eine solches Spielzeug für heftige Diskussionen. Es wird ein Missbrauch der kindlichen Privatsphäre befürchtet.

Die interaktive Barbie ist für manche Menschen ein Lauschangriff im Kinderzimmer.
Mattel Die interaktive Barbie ist für manche Menschen ein Lauschangriff im Kinderzimmer.

Eine interaktive Barbie, mit der man sich unterhalten kann: Für viele Fans wird damit ein Traum wahr. Für andere aber bedeutet das vernetzte Spielzeug einen Lauschangriff im Kinderzimmer. Pünktlich zum Weihnachtsgeschäft kommt die sprechende „Hello Barbie“, mit Mikrofon und W-Lan-Schnittstelle versehen, jetzt in die US-Läden. Sie soll für den seit Jahren schwächelnden Puppen-Klassiker des Spielzeugriesen Mattel Marktanteile zurückerobern.

Seit Mattel die „Hello Barbie“ vor einem halben Jahr in New York auf der Spielzeugmesse vorstellte, reißt die Kritik von besorgten Eltern und Datenschützern nicht ab: Von einer „Abhör-Barbie“ ist die Rede und vom Missbrauch kindlicher Privatsphäre, auch eine Online-Petition läuft. Doch ebenso wie in Deutschland ist der allgemeine Trend hin zu mehr High-Tech im Kinderzimmer stark.

„Hello Barbie“ funktioniert ähnlich wie die Spracherkennung in vielen Smartphones: Ein Mikrofon, das im Nacken der Puppe sitzt, nimmt alles auf, was Barbies Gesprächspartner sagt. Die Daten werden via W-Lan in die Cloud geschickt, wo die passende Antwort aus rund 8000 bereitgestellten Dialogsätzen ausgewählt wird. Den gewonnenen Input behält „Hello Barbie“ dann für künftige Antworten „im Hinterkopf“.

Eltern müssen den Aufnahmen zustimmen

Doch was passiert mit den aufgenommenen Daten? Laut Mattel werden sie nicht zu Werbezwecken gespeichert, sondern nur um das Gesprächserlebnis zu verbessern, und nach zwei Jahren wieder vom Server gelöscht. Außerdem müssten die Eltern zu Beginn auch ihre Zustimmung geben.

Doch viele Menschen reagieren skeptisch. Unter anderem machen in den USA die Anwälte der „Campaign for a Commercial-free Childhood“ (CCFC) mobil und starten zum Verkaufsstart eine Social-Media-Kampagne unter dem Motto „Hell No Barbie“. Mehrere Zehntausend haben bereits gegen den Verkaufsstart der Barbie unterzeichnet. CCFC-Geschäftsführer Josh Golin befürchtet, dass persönliche Daten geteilt und für Marketingzwecke genutzt werden. „Da gibt es eine ganze Menge Bedenken, was Privatsphäre und Sicherheit angeht“, sagte er in einem TV-Interview. Schließlich würden Kinder ihrem Spielzeug auch geheime, ganz private Dinge anvertrauen, die niemanden etwas angingen.

Einer Sprecherin von Mattel Deutschland zufolge ist ein Verkauf der „Hello Barbie“ in Deutschland
derzeit nicht geplant.

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