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Beispiellose Bergung im Mittelmeer

Die Hebung des vor Giglio havarierten Kreuzfahrt­riesen ist eine einzigartige Aktion. Die „Costa Concordia“ aufzurichten, galt dabei als der heikelste Teil. Doch damit ist der „Schandfleck“ vor der italienischen Insel noch lange nicht beseitigt.

Wenn das Wrack aufgerichtet ist, soll es auf sechs Plattformen stehen, um danach das Wasser abzupumpen.
Riccardo Dalle Luche Wenn das Wrack aufgerichtet ist, soll es auf sechs Plattformen stehen, um danach das Wasser abzupumpen.

Wer hat die Bergung vorbereitet?

Etwa 500 Experten aus nicht weniger als 20 Ländern haben seit Mai 2012 die schwierige Bergung des gekenterten Kreuzfahrtschiffes vor Giglio vorbereitet. Der Aufwand an Material und Personal ist riesig. Mehr als 20 Schiffe sind im Einsatz, 15 000 Tauchgänge waren vor der Bergungsaktion notwendig.

Warum ist die Bergung der „Costa Concordia“ heikel?

Mit einer Länge von etwa 300 Metern und einem Volumen von mehr als 114 000 Tonnen ist das italienische Kreuzfahrtschiff eines der größten Schiffe, das jemals in einem Stück geborgen worden ist. Im toskanischen Insel-Archipel gelegen, sollten für Giglio und Umgebung auch Umweltfolgen vermieden werden, wie sie ein Auseinanderbrechen auslösen könnten. Schlimmstenfalls könnte das Wrack ganz versinken.

Was wurde für die Bergungsaktion vorbereitet und eingesetzt?

Mehr als 30 000 Tonnen Stahl wurden für die Konstruktion aller benötigten Teile vor der Bergungsaktion herbeigeschafft. Um die Lücken zwischen den Felsen unter dem Rumpf zu schließen und somit das Wrack nach der Aufrichtung zu stabilisieren, liegen 1180 Sand- und Zementsäcke auf dem damit „eingeebneten“ Meeresboden. Das Riesenwrack steht dann auf sechs Plattformen, die mit 21 Pfeilern im Boden verankert sind.

Was passiert, wenn das Wrack aufgerichtet ist?

Nach diesem heiklen ersten Schritt bleibt viel zu tun. Ist das Wrack vorsorglich stabilisiert, dann müssen weitere Schwimmbehälter an der Steuerbordseite angebracht werden. Das Wasser wird aus diesen Schwimmkästen auf beiden Seiten gepumpt, das Schiff „schwimmt“ wieder. Danach wird die „Costa Concordia“ verankert. Im ersten Halbjahr 2014 ist der Abtransport vorgesehen. Es ist die letzte Fahrt des Unglücksschiffes. Es wird abgewrackt. Nach gelungener Aufrichtung geht die Suche weiter: Zwei Leichen konnten nicht geborgen werden. Diese Opfer zu finden, ist eine ganz wesentliche Aufgabe.

Wo soll denn die „Costa Concordia“ zerlegt werden?

Einige Häfen haben sich darum gerissen, den Kreuzfahrtriesen zerlegen zu dürfen. „Entschieden wurde, dass der Hafen von Piombino das Ziel sein wird“, hatte Italiens Zivilschutzchef Franco Gabrielli erklärt. Ob es die unweit von Giglio gelegene toskanische Stadt auch wirklich sein wird, ist noch offen: „Die „Costa Concordia“ wird nur nach Piombino gebracht, wenn der Hafen auch in der Lage ist, die Arbeit zu tun“, hatte Gabrielli angefügt.

Wer zahlt das alles?

Mindestens 600 Millionen Euro soll die Bergungsaktion kosten, die Gesamtsumme ist bereits mehrfach erhöht worden. „Die Beseitigung der Concordia und alle noch folgenden Operationen werden den Steuerzahler nichts kosten“, hatte Gabrielli versichert, „die Kosten werden ganz von privater Seite getragen.“ Also von der Genueser Reederei Costa Crociere und deren Versicherungen. Allerdings hat der angepeilte Abwrackhafen Piombino Medienberichten zufolge 73 Millionen Euro für Umbauarbeiten vom Staat erhalten, um das Wrack zerlegen zu können.