Benimmkodex für Reisende:

Chinesische Touristen sollen bessere Manieren lernen

Chinesen sind ein reisefreudiges Volk geworden. Millionen von ihnen verbringen den Urlaub im Ausland, und noch viel mehr sind im eigenen Land unterwegs. Aber ihr schlechtes Benehmen macht mitunter Schlagzeilen. Eine Kampagne soll das jetzt ändern.

Chinesen reisen gerne und zwar nicht nur im eigenen Land, sondern auch ins Ausland wie hier nach Frankfurt am Main. Foto: Dedert
Arne Dedert Chinesen reisen gerne und zwar nicht nur im eigenen Land, sondern auch ins Ausland wie hier nach Frankfurt am Main. Foto: Dedert

Die malerische Stadt Lijiang im Südwesten Chinas quillt über vor Touristen. Dort, wo vor 20 Jahren noch die Bauern aus dem Volk der Naxi ihre Waren auf den alten Pflastersteinen anboten, haben sich jetzt die Souvenirhändler breitgemacht. Einst war die auf der Unesco-Welterbeliste stehende Stadt ein Knotenpunkt der Tee- und Pferderoute durch die Provinz Yunnan nach Birma und nach China. Nun ist „die Stadt am schönen Fluss“ ein extremes Beispiel für die Veränderungen, die Chinas Tourismusboom mitbringt.

Nachts streifen Gruppen lärmender Touristen zwischen neonbeleuchteten und von Bässen wummernden Bars umher. Die Stadt hat Schilder aufgestellt, die die Gäste auffordern, sich „wie zivilisierte Touristen“ zu benehmen. Das ist Teil einer nationalen Kampagne, die vor einigen Wochen neuen Auftrieb bekam: Da wurde ein 14-jähriger Chinese erwischt, der im Tempel im ägyptischen Luxor auf ein antikes Steinrelief „Ding Jinhao war hier“ gekritzelt hatte.

Vorfälle wie in Luxor seien weltweit von Medien aufgegriffen worden, weil Chinas Tourismus so stark gewachsen sei, sagt Wu Bihu, Tourismusexperte der Universität Peking. „In jüngsten Jahren reisen mehr und mehr Leute ins Ausland, und so wird auch ihr Benehmen von ausländischen Medien bloßgestellt. Vor allem seit dem Kritzelei-Fall in Ägypten gibt es sehr viel Kritik im Internet“, weiß Wu.

Regierung gibt Benimmkodex für Touristen heraus

Einige dieser Probleme spiegelten kulturelle Unterschiede wider und kämen vor allem bei Europatouren vor, meint Wang Zhiwei, Chef des staatlichen China-Jugendreisedienstes für Schanghai. „Zum Beispiel, sich auf dem Boden breitzumachen und in der Öffentlichkeit zu laut zu sein – die Menschen im Westen mögen das nicht“, sagt Wang.

Der chinesische Fernreiseboom ist allerdings noch nichts im Vergleich zum exponentiellen Wachstum des einheimischen Tourismus. Die Chinesen unternahmen im vorigen Jahr laut amtlicher Statistik 83 Millionen Auslandsreisen, aber drei Milliarden Touren im eigenen Land. Während der Debatte über Luxor berichteten die staatlichen Medien von ähnlichen Fällen in China. Im Februar ritzte ein chinesischer Tourist seinen Namen in einen Kessel in der Verbotenen Stadt, Pekings weltberühmter Kaiserpalastanlage.

Nach der Debatte über die Luxor-Kritzeleien gab Chinas Regierung einen Benimmkodex für Touristen heraus. Er soll im Oktober Teil eines neuen Tourismusgesetzes werden. „Ein zivilisierter Tourist zu sein, ist jedes Bürgers Pflicht“, steht darin. Touristen sollten „die gesellschaftliche Moral respektieren“ und „angemessene Unterhaltung“ suchen. Das richtet sich wohl auch gegen Glücksspiel und sexuelle Abenteuer, die so viele chinesische Touristen suchen.

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