Entsetzliche Erkenntnis:

Copilot brachte Flugzeug absichtlich zum Absturz

Die Umstände des Unglücks sind aufgeklärt, aber die Auflösung ist unfassbar schrecklich: Der 27 Jahre alte Copilot aus Montabaur hat 149 Menschen und sich selbst absichtlich in den Tod gesteuert.

Airbus Industrie Blick in ein Cockpit eines Airbus A320. Der Copilot hatte sich hier offenbar verschanzt und den Piloten nicht mehr hineingelassen.

«Ich weiß doch nicht, was im Kopf dieses Copiloten vorgegangen ist.» Das sagt Staatsanwalt Brice Robin am Donnerstag in Marseille. Die Angehörigen der Opfer werden sich diese Frage vielleicht bis ans Ende ihres Lebens stellen: Was ging in den letzten acht Minuten des Germanwings-Fluges 4U9525 im Kopf des Copiloten Andreas L. (27) aus Montabaur vor?

Kanzlerin Angela Merkel hat den durch den Copiloten herbeigeführten Germanwings-Absturz vor am Nachmittag Tragödie von schier unfassbarer Dimension verurteilt. «So etwas geht über jedes Vorstellungsvermögen hinaus», sagte Merkel in Berlin.

Was ging in ihm vor, als der Flugkapitän wie verrückt gegen die Tür des Cockpits hämmerte und dabei «Lass mich rein!» rief? Was ging in ihm vor, als der Tower in Marseille immer wieder versuchte, Kontakt zu ihm aufzunehmen, ihn aufforderte, den Notruf auszulösen? Und was ging in ihm vor, als im allerletzten Moment, kurz vor dem Aufprall, die Schreie der Passagiere ertönten? Man weiß es nicht, denn in der ganzen Zeit sprach der junge Mann kein einziges Wort.

«Ich habe Probleme mit dem Begriff Selbstmord», sagt der Staatsanwalt bei seiner Pressekonferenz. «Wenn man 150 Personen mit in den Tod reißt, ist das für mich eigentlich kein Selbstmord.» Lufthansa-Chef Carsten Spohr sagt wenig später in Köln: «In unseren schlimmsten Alpträumen hätten wir uns nicht vorstellen können, dass sich eine solche Tragödie hier in unserem Konzern ereignen kann.»

Was kann einen Menschen dazu treiben, so etwas zu tun? Ein Motiv, das sich aufdrängt, wäre ideologische - religiöse - Verblendung. Aber darauf gibt es offenbar keine Hinweise. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) schließt einen terroristischen Hintergrund aus.

War es das Gefühl der Macht? Das Leben der Passagiere und der Besatzung liegt immer in den Händen der beiden Menschen im Cockpit. Wenn man in ein Auto steigt, ist das Unfallrisiko statistisch viel höher als bei einem Flug, aber am Steuer eines Wagens hat man das Gefühl, die Dinge selbst in der Hand zu haben. Im Flugzeug liefert man sich vollständig aus. Dieser Kontrollverlust ist die wichtigste Ursachen für Flugangst. Wer darunter leidet, wird jetzt ein noch mulmigeres Gefühl haben. Aber auch wer damit keine Probleme hat, wird sich in nächster Zeit wohl kaum mehr so entspannt wie bisher zurücklehnen können, wenn die sonore Stimme aus dem Cockpit sagt: «Guten Morgen, hier spricht Ihr Flugkapitän!»

Es gibt noch viele andere offene Fragen. Fasste der Copilot seine Entscheidung spontan? Er konnte vorher nicht mit Sicherheit wissen, dass der Flugkapitän das Cockpit verlassen und auf die Toilette gehen würde. Die Auswertung des Stimmenrekorders hat ergeben, dass Andreas L. in der ersten Phase des Fluges noch ganz normal mit seinem Kollegen geplaudert und sogar Witze gemacht hat.

Als zurückhaltender und netter Mensch wird Andreas L. beschrieben. Man weiß bisher nur wenig über den Mann, dessen Name nun plötzlich millionenfach im Internet eingegeben wird. Alles, was bekannt ist, deutet daraufhin, dass es ein Mensch war aus der Mitte der deutschen Gesellschaft. Um Copilot bei Germanwings werden zu können, hat er umfangreiche psychologische Tests durchlaufen. Einzige Auffälligkeit bisher: Er hat seine Ausbildung einmal unterbrochen. Aber dann hat er sie doch erfolgreich zuende geführt.

So kann man nicht ausschließen, dass letztlich alle Erklärungsversuche versagen werden. Wie hat es der Staatsanwalt noch gesagt: Man kann eben nicht in einen anderen Kopf hineinschauen.

Aber die Katastrophe des Fluges 4U9525 eröffnet nicht nur Einblicke in eine neue Dimension des Grauens. Sie zeigt auch, dass die Gesellschaft in einer Krisensituation «Reserven an Mitmenschlichkeit und Trost» zu mobilisieren vermag, wie es der Historiker und Publizist Michael Stürmer ausdrückt. Die Notfallseelsorger, die Helfer in den Alpen, die Bewohner der Absturzregion, die Hinterbliebene aufnehmen - sie alle sind weiterhin für andere da. Auch an diesem schwarzen Tag.

Auswärtiges Amt: 75 Deutsche unter Absturzopfern

Bei dem Absturz der Germanwings-Maschine in den französischen Alpen sind nach neuesten Informationen 75 Deutsche ums Leben gekommen. Dies teilte das Auswärtige Amt in Berlin mit. Bislang war man von mindestens 72 getöteten Bundesbürgern ausgegangen. Insgesamt starben 150 Menschen.

 

Vorsätzlicher Absturz löst höchste Traumastufe aus

Ein mit Vorsatz herbeigeführter Absturz wie die Germanwings-Katastrophe in Südfrankreich löst nach Ansicht eines Experten ein extremes Trauma bei den Angehörigen aus. «Das ist für sie die schlimmste Art von Katastrophe», sagte der Psychologe Steffen Fliegel am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Diese Information bedeute für die Betroffenen nochmals eine Steigerung. Nach Einschätzung des Experten aus Münster werden die Folgen in verschiedene Kategorien eingeordnet: Demnach löst ein schweres Unglück zum Beispiel bei einer Naturkatastrophe wie einer Lawine bei den Menschen ein Trauma aus. In Stufen verschlimmere sich dieses dann aber bei Unglücken mit technischer Ursache gefolgt vom menschlichem Versagen und Fahrlässigkeit. Werde eine Katastrophe mutwillig, also absichtlich - und damit geplant - ausgelöst, habe das die schlimmsten Folgen für die Psyche von Opfern und Angehörigen. Ein Restrisiko für einen Suizid im Cockpit könne niemand ausschließen, auch wenn psychologische Vorsorgeuntersuchungen jetzt von den Fluglinien ausgeweitet würden, betont Fliegel. Solche Handlungen sind im Vorfeld nicht zu erkennen, meint der Experte. Die Angehörigen jedenfalls benötigen langfristig Unterstützung, sagt Fliegel. Selbsthilfegruppen zum Beispiel seien besser geeignet, die Erfahrungen des mutwillig herbeigeführten Todes ihrer Liebsten zu bewältigen als Psychotherapie und Medikamente. Diese Erfahrung habe er zum Beispiel bei der Arbeit mit traumatisierten Lokführern gemacht, die nach Selbsttötungen auf den Schienen den Dienst aufgeben mussten. Der Schulleitung in Haltern attestiert Fliegel gute Arbeit. «Dort wurde richtig reagiert.» Die Schule als Ort der gemeinsamen Aufarbeitung sei ideal.

 

Ermittler durchsuchen Wohnungen des Germanwings-Copiloten

Ermittler haben die Wohnungen des verdächtigen Germanwings-Copiloten durchsucht. Sie betraten am Donnerstag ein Haus am Düsseldorfer Stadtrand, in dem der 27-Jährige wohnte. Grundlage ist ein Ersuchen der französischen Justiz. Auch im Elternhaus des Piloten im rheinland-pfälzischen Montabaur im Westerwald wurden Polizisten vorstellig.

Der Copilot steht im Verdacht, die Germanwings-Maschine mit weiteren 149 Menschen an Bord am Dienstag vorsätzlich zum Absturz gebracht zu haben. Kriminalbeamte suchen nun nach Hinweisen auf ein mögliches Motiv oder Anzeichen für eine psychische Erkrankung. Ein besonderes Augenmerk liege auf persönlichen Unterlagen, teilte die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft mit. Die Auswertung der Unterlagen werde voraussichtlich einige Zeit in Anspruch nehmen.

Die Luftaufsicht gab unterdessen bekannt, dass bei den routinemäßigen Sicherheitsüberprüfungen des 27-Jährigen keine Auffälligkeiten festgestellt wurden. Zuletzt sei dem Mann Ende Januar bescheinigt worden, dass keine strafrechtlichen oder extremistischen Sachverhalte gegen ihn vorliegen. Auch bei den vorherigen zwei Überprüfungen blieb der Copilot ohne jede belastende Erkenntnis.

Nach Erkenntnissen der Ermittler hat der 27-Jährige den Sinkflug selbst ausgelöst und so den Airbus absichtlich zum Absturz gebracht.

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