Prozess um Kita-Geiselnahme :

„Dann habe ich auf den Teufel gehört“

Was ist das für ein Mensch, der auf einen Kita-Leiter einsticht, um Geld zu erpressen? Das soll nun der Prozess um die Geiselnahme in einer Kölner Kindertagesstätte klären.

Der Angeklagte (Mitte) sitzt neben seinem Anwalt Gottfried Reims (l.) und einem Dolmetscher im Kölner Landgericht auf der Anklagebank.
Oliver Berg Der Angeklagte (Mitte) sitzt neben seinem Anwalt Gottfried Reims (l.) und einem Dolmetscher im Kölner Landgericht auf der Anklagebank.

Als der Angeklagte den Gerichtssaal betritt, kneift er die Augen zusammen. Die Blitzlichter der Fotografen blenden ihn. Der Mann – gelichtetes Haar, heller Anorak, Jeans – blickt auf seine Hände, allem Anschein nach beschämt. Kann dieser Mann wirklich derselbe sein, der am 5. April den Leiter einer Kölner Kindertagesstätte als Geisel nahm und zehn Stunden quälte? Seit Montag muss er sich wegen erpresserischen Menschenraubes vor Gericht verantworten.

Der Vorsitzende Richter am Landgericht Köln nimmt die Personalien des Angeklagten auf. Er ist 47 Jahre alt, verheiratet, besitzt die deutsche Staatsbürgerschaft, spricht aber kaum Deutsch. Staatsanwalt Elmar Köstner beschreibt, was an diesem Tag vorfiel. Demnach betrat der Angeklagte die Kita und zückte im Büro des Leiters ein Messer. Er forderte drei Millionen Euro und ein Fluchtauto. Nach zehn Stunden beendete ein Spezialeinsatzkommando die Geiselnahme.

Das Wort hat der Verteidiger, Rechtsanwalt Gottfried Reims. Er berichtet aus der Biografie des Angeklagten: Dieser heiratet, wird Vater einer Tochter, trennt sich wieder. Dann heiratet er erneut. Zwei Söhne kommen zur Welt, aber der Vater ist nun meist ohne Arbeit. Einige Tage vor der Tat soll seine Frau zu dem Angeklagten gesagt haben, dass sie kein Geld mehr habe, um einkaufen zu gehen. Das Erpressen von Geld erschien ihm als letzter Ausweg. Den Moment, kurz bevor er die Kita betrat, habe er seinem Anwalt mit den Worten geschildert: „Dann habe ich auf den Teufel gehört, ich bin da reingegangen, und es ist passiert.“ Das ist die Version des Verteidigers. Am Dienstag sagt voraussichtlich der Kita-Leiter aus.

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