Illegale Autorennen:

Das Auto als Waffe

Illegale Autorennen sind in vielen Städten ein Problem. In Köln kamen dieses Jahr schon drei Unbeteiligte ums Leben. Verkehrsexperten sagen: Die Raser wollen damit Probleme kompensieren. Was steckt hinter dem fragwürdigen Trend?

Sieger gab es bei diesem illegalen Autorennen in Fuldo keine. Der 33-jähriger Fahrer ist tödlich verunglückt. Seine 19-jährige Beifahrerin musste schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht werden.
Osthessen-News Sieger gab es bei diesem illegalen Autorennen in Fuldo keine. Der 33-jähriger Fahrer ist tödlich verunglückt. Seine 19-jährige Beifahrerin musste schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht werden.

Auf einen Schlag war diese Woche alles wieder da für Kölns Ex-Oberbürgermeister Fritz Schramma. Als er und seine Frau davon erfuhren, dass ein illegales Autorennen mitten in der Stadt wieder einen Radfahrer das Leben gekostet hatte, empfanden sie „Wut, Enttäuschung und Frust“. Denn vor 14 Jahren kam ihr Sohn auf ganz ähnliche Weise zu Tode – als Fußgänger in Köln. „Er stand kurz vor der Hochzeit“, erinnert sich Schramma.

Drei Tote allein in Köln

An der Stelle, wo das Raserauto den Radfahrer vor wenigen Tagen wie ein Geschoss traf, hielten am Donnerstagabend etwa 250 Menschen eine Mahnwache. Blumen, Kerzen und Fotos bilden seit Tagen eine kleine Gedenkstätte am Straßenrand. Auch tagsüber halten dort immer wieder Radfahrer und Fußgänger inne.

Drei Unbeteiligte sind in den letzten Monaten in Köln durch illegale Autorennen ums Leben gekommen – das ist beispiellos in Deutschland. Die Millionenstadt am Rhein ist berüchtigt für ihre Raserszene – und für ihre brutalen Verkehrsschneisen mitten durch das historische Zentrum. Doch „das Phänomen illegaler Autorennen gibt es bundesweit in vielen Städten“, hebt der Tüv Rheinland hervor. Manchmal würden dabei hohe Geldpreise ausgesetzt, sagt Karl-Friedrich Voss, Vorsitzender des Bundesverbandes Niedergelassener Verkehrspsychologen.

Videos von Rennen landen im Internet

Meist nutzen die Raser abgelegene Gewerbegebiete oder nächtliche Straßen für ihre Rennen, doch in letzter Zeit kommt es manchen gerade darauf an, viel Publikum zu haben. Sie verabreden sich auf Facebook und stellen anschließend Videos ins Internet.

Fritz Schramma meint: „Dieser Kick, ein Auto als Waffe zu benutzen, das ist ja fast wie Russisches Roulette.“ Die Verantwortlichen für den Tod seines Sohnes kamen damals mit einer Bewährungsstrafe davon. „Vielleicht haben sie inzwischen selbst Familien und machen sich hin und wieder Gedanken“, sinniert der Ex-OB.

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