Gesellschaft für deutsche Sprache:

"Flüchtlinge" zum Wort des Jahres gekürt

Und jedes Jahr die gleiche Frage: Was wird diesmal zum Wort des Jahres gekürt? Im vergangenen Jahr machte "Lichtgrenze" das Rennen.

Wort des Jahres
Jens Büttner Die Jury der Gesellschaft für deutsche Sprache in Wiesbaden musste aus rund 2500 Vorschlägen auswählen.

Das Wort des Jahres 2015 lautet "Flüchtlinge". Der Begriff sei stark im deutschen Wortschatz verankert und bringe die zentrale gesellschaftliche Diskussion auf den Punkt, begründete die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) in Wiesbaden am Freitag die Entscheidung. Auf Rang zwei landete "Je suis Charlie", der weltweite Solidaritätsslogan nach dem Terroranschlag auf das Satiremagazin "Charlie Hebdo" am 7. Januar in Paris. Auf Rang drei folgte "Grexit", das Wortgebilde für die Diskussion um einen Austritt des krisengeschüttelten Griechenlands aus der Eurozone.

Die Jury hatte aus rund 2500 Vorschlägen einen Begriff gewählt, der das politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben eines Jahres sprachlich besonders bestimmt hat. "Und wir wollten natürlich gesellschaftspolitisch ein Zeichen setzen", erklärte Schlobinski.

Das zweitplatzierte "Je suis Charlie" stehe für die weltweite Solidarität für die Pressefreiheit und gegen religiösen Fanatismus. Und der Satz spiele ebenfalls sprachwissenschaftlich eine Rolle. "Normalerweise entlehnen wir ja sehr viel aus dem Englischen, jetzt haben wir - sehr selten - etwas aus dem Französischen", sagte der GfdS-Vorsitzende.

2014 war die Berliner "Lichtgrenze" zum Mauerfall-Jubiläum das Wort des Jahres. Es ging um eine Kunstinstallation, bei der beleuchtete Ballons auf rund 15 Kilometern Länge den einstigen Verlauf der Berliner Mauer nachzeichneten. Den sprachlichen Nerv der Zeit hatten in den Jahren zuvor - nach dem Urteil der Jury - die Abkürzung GroKo (2013), die Rettungsroutine (2012) und der Stresstest (2011) getroffen.