Soziales Engagement:

Ernte in der Metropole: New York setzt auf eigenen Anbau

New York ist bekannt für Wolkenkratzer und Straßenschluchten, aber die Metropole ist auch überraschend grün – und wird immer grüner. Mit „Urban Gardening“ kehren viele Einwohner zurück zur Natur.

Nicht nur in den Problemvierteln wird gegärtnert, in New York angebautes Obst und Gemüse zu essen gilt als schick. Das Restaurants „Riverpark“ in Manhattan hat seinen eigenen Garten.
Christina Horsten Nicht nur in den Problemvierteln wird gegärtnert, in New York angebautes Obst und Gemüse zu essen gilt als schick. Das Restaurants „Riverpark“ in Manhattan hat seinen eigenen Garten.

Zwischen Steinen und Erdkrumen liegen leere Plastiktütchen auf dem Weg, nicht größer als Streichholzschachteln. Drogen werden darin transportiert. Es sind letzte Überreste einer längst vergangenen Zeit, als der idyllische Gemeinschaftsgarten im Nordosten des New Yorker Stadtteils Bronx noch eine Schrotthalde mit scheinbar nicht in den Griff zu bekommender Kriminalitätsrate war. „Dutzende Autowracks haben wir hier weggeräumt“, erzählt Stephen Ritz. „Anfang der 90er Jahre war das hier ein Ort, an dem vor allem Drogenabhängige herumgehangen haben. Heute ist das nur noch ein ganz kleines Problem.“

Ritz und seine Mitstreiter räumten das Gelände entlang einer Hochbahn auf, gruben den Boden um und pflanzten an. Aus der Bissel Street wurden die Bissel Gardens. „Wir haben diese öffentliche Straße einfach außer Betrieb gesetzt und uns das Wasser für unsere Gärten aus den Hydranten genommen“, erzählt Ritz. „Das wäre heute gar nicht mehr möglich, aber damals hatte die Stadt New York andere Probleme und heute protestiert sie auch nicht mehr. 15 000 Kilogramm Gemüse haben wir auf dieser ehemaligen Schrotthalde schon geerntet. Das ist die neue Bronx.“

Gärtnern hilft nicht nur gegen Alltagsstress

Viele New Yorker wie Stephen Ritz haben sich zum Ziel gesetzt, ihre Stadt grüner zu machen und in der Millionenmetropole Obst und Gemüse zu ernten. Sie betreiben „Urban Gardening“, wörtlich etwa städtisches Gärtnern – aus einem von Hektik, Lärm und Alltagsstress genährten Rückkehrwillen zur Natur, aus Gesundheitsbewusstsein oder purer Notwendigkeit. Im Herbst ist in Downtown Manhattan eifrige Erntezeit.

Stephen Ritz aus der Bronx gärtnert nicht, weil es schick ist. Der schlaksige Mann ist Lehrer. Seit Jahrzehnten arbeitet er im Süden der Bronx, dem ärmsten Kongressbezirk der gesamten USA. „Zum Aufwachsen ist das wirklich eine harte Gegend“, sagt er. „HIV, Asthma und Diabetes sind weit verbreitet. Viele Menschen können weder lesen noch schreiben. Sechsköpfige Familien haben durchschnittlich nur ein Einkommen von weniger als 15 000 Dollar im Jahr.“

Ungesunder Lesensweise entgegenwirken

Die raue Umgebung wirke sich auf die Lebensweise der Menschen aus. „Die meisten meiner Schüler wissen doch gar nicht mehr, wo ihr Essen herkommt. Sie wissen nicht, dass das Gemüse aus dem Boden kommt und Eier aus Hühnern.“ Auf ihrem Speiseplan stünden hauptsächlich Hamburger, paniertes Hühnchen und Fritten. „Die Folge: Mehr als die Hälfte meiner Schüler haben Asthma. Ich habe Fünftklässler, die mehr als 100 Kilogramm wiegen.“

Mit Urban Gardening will Ritz nun die Situation der Menschen im Süden der Bronx und in ganz New York verbessern. Sein gemeinnütziger Verein Green Bronx Machine hat mehr als 40 Mitarbeiter, die meisten davon Schüler. Gemeinsam pflanzen sie zum Beispiel in Klassenzimmern Blumen, Gemüse und Obst oder legen Beete vor Schulen an.

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