Zum Geburtstag angereist:

Fans lassen Schumi nicht im Stich

Der siebenmalige Formel-1-Weltmeister liegt an seinem 45. Geburtstag weiter im Koma. Sein ehemaliges Team organisiert Busse, um seine Anhänger nach Grenoble zu bringen. Sie singen sogar für ihn. Doch auch Wichtigtuer tummeln sich vor dem Krankenhaus.

Das Gelände vor dem Krankenhaus wurde in ein Meer aus Fahnen und Plakaten verwandelt.
Guillaume Horcajuelo Das Gelände vor dem Krankenhaus wurde in ein Meer aus Fahnen und Plakaten verwandelt.

Das Geschehen an der Auffahrt zum Krankenhaus in Grenoble erinnert an Szenen von einer Rennstrecke: Zum 45. Geburtstag von Michael Schumacher haben seine Fans den Weg zur Klinik mit roten Fahnen, Ferrari-Bannern und Plakaten für den schwer verletzten Formel-1-Rekordweltmeister dekoriert. In Autos und Bussen haben viele den teils weiten Weg in die französische Stadt auf sich genommen. Sie wollen vor allem eines: Ihrem Idol eine rasche Genesung wünschen. „Schumi – Alle unsere Gedanken sind bei Dir und Deiner Familie“ ist dort zu lesen. Neben dem beherrschenden Ferrari-Rot sorgt vor allem Marina Nicoletti für Abwechslung. Die 60-Jährige hat aus dem heimischen Bergamo in Italien ein kleines Kunstwerk mitgebracht. „Mit Dir – egal, in welcher Farbe“ steht in Italienisch auf dem etwa sechs Meter langen Banner. Ein Freund Nicolettis hat alle vier Rennwagen aus Schumachers Karriere darauf verewigt: Jordan, Benetton, Ferrari, Mercedes. Zum Unikat wird das Werk noch durch ein anderes Original: In der Mitte findet sich eine Widmung von Michael Schumacher und nebst „für Marina“ ein von ihm gezeichnetes Smile-Emoticon.

Geburtstagsständchen für den Formel-1-Piloten

Vor dem Krankenhaus kann Nicoletti die Tränen hinter ihrer Sonnenbrille nicht verbergen. „Das ist alles so furchtbar. Ich war schockiert, als ich von Michaels Unfall hörte“, sagt sie. Die meisten der mehr als hundert Fans sind mit ihren Ferrari-Clubs in Italien und Frankreich nach Grenoble gekommen. Sie reden über Schumacher, singen ein Geburtstagsständchen für den früheren Formel-1-Piloten oder stehen schweigend vor der Klinik. „Er ist in unseren Herzen“, sagt Julio Carissimi. Der 66-Jährige ist mit einem der Busse aus Italien gekommen. „Wir sind für den Geburtstag eines großen Sportlers hier.“

Allerdings sind auch Wichtigtuer an der Klinik: Ein Mann hält jeder Kamera eine Glückwunschkarte für Schumacher vor die Linse. Am Vortag hat er seinem wenig begeisterten Jungen im Ferrari-Anzug die Arme und Finger zum Victory-Zeichen heben und „Schumacker, Schumacker“ rufen lassen – und das nur für die Fernsehteams. In der Menge von Fans und Journalisten erkennen einige auch geschäftliches Potenzial. Ein japanisches Restaurant, nicht weit von dem Krankenhaus entfernt, verteilt stapelweise Flyer für seinen Sushi-Bringdienst. Ein Schriftsteller aus der Nähe von Grenoble weist per Handzettel auf seinen gerade erschienenen Erzählband hin.

„Das ist ein Krankenhaus hier!“

Erstmals seit der Einlieferung von Schumacher zeigt auch die Polizei offen Präsenz. Am Eingang zur Klinik achtet eine zunehmende Zahl von Uniformierten darauf, dass mit Patienten und Besuchern kein Schumacher-Fan in das massige Gebäude gelangt. „Das ist ein Krankenhaus hier“, macht ein Beamter klar, als er mit Kollegen eine kurzfristige Blockade von Schumacher-Fans und Kameraleuten vor dem Eingang der Klinik wieder auflöst. Das Geburtstagskind Schumacher bekommt von all dem weiterhin nichts mit. Von Krankenhaus und Management gibt es auch am Freitag keine neuen Informationen über den Patienten zwischen Leben und Tod. Die Fans vor der Klinik müssen weiter bangen.

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