Der deutsche "Rockefeller":

Gericht verkündet Strafmaß für Hochstapler

Späte Strafe für einen Mord vor 28 Jahren: In Kalifornien soll ein wegen Mordes verurteilter Deutscher jetzt das Strafmaß erfahren. Dem Hochstapler, der sich als "Rockefeller" ausgab, droht lebenslange Haft.

Christian Karl Gerhartsreiter steht vor Gericht in Los Angeles. In Kalifornien soll der wegen Mordes verurteilter Deutsche jetzt das Strafmaß erfahren.
Walt Mancini Christian Karl Gerhartsreiter steht vor Gericht in Los Angeles. In Kalifornien soll der wegen Mordes verurteilter Deutsche jetzt das Strafmaß erfahren.

Der Bayer Christian Karl Gerhartsreiter (52), der sich über Jahre hinweg mit klangvollen Namen wie "Rockefeller" und "Chichester" schmückte, ist Insasse Nr. 2800458 im Männergefängnis von Los Angeles. An diesem Donnerstag soll der verurteilte Mörder nach Auskunft des Gerichts erfahren, wie lange er hinter Gitter verbringen muss. Ihm drohen zwischen 26 Jahren und lebenslange Haft.

Ein Geschworenengericht hatte Gerhartsreiter im April schuldig befunden, vor 28 Jahren den Sohn seiner Vermieterin getötet zu haben. Der Deutsche lebte in den 80er Jahren unter dem Namen Christopher Chichester in Kalifornien. Später gab er sich auch als "Clark Rockefeller" aus und nahm weitere falsche Namen und Identitäten an.

Die guten Anzüge, die der Brillenträger mit schütterem Haar während des Verfahrens trug, musste er gegen die blaue Gefängniskluft eintauschen. Doch sein selbstsicheres Auftreten vor dem Richter hat er nicht verloren. Gerhartsreiter, der nach dem Schuldspruch im April seine Verteidiger feuerte, verteidigt sich nun selbst. Bei einer Anhörung Mitte Juli sagte der Deutsche dem zuständigen Richter, er werde neue Beweise für seine Unschuld vorbringen.

Von der Frau fehlt jede Spur

Wie bei zahlreichen früheren Gerichtsauftritten könnte Gerhartsreiter am Donnerstag eine bizarre Show abziehen. "Ich habe alle Beweise durchgeschaut und es ist eindeutig, dass ich nichts damit (dem Mord) zu tun hatte", sagte der Deutsche vergangene Woche in einem Telefoninterview. Er pocht auf ein neues Verfahren. Es ist fraglich, ob Richter George Lomeli bei der geplanten Verkündung des Strafmaßes ein offenes Ohr hat.

Das Mordopfer, John Sohus (27), und dessen Frau Linda waren 1985 spurlos verschwunden. Gerhartsreiter lebte damals in einem Gästehaus auf dem Grundstück der Sohus-Familie in Kalifornien. Die Leiche des Mannes wurde neun Jahre später bei Bauarbeiten im Garten seines Elternhauses gefunden, sie konnte erst 2008 mit neuen DNA-Methoden identifiziert werden. Von der Frau fehlt bis heute jede Spur.

Keine Tatwaffe, keine Augenzeugen, keine Blutspuren

Nach dem Verschwinden des Paares siedelte der Deutsche an die US-Ostküste um, wo er unter verschiedenen Namen lebte, darunter auch als "Clark Rockefeller". Er gab sich als Adliger, Filmemacher und Börsenmakler aus. Auch seine damalige Frau Sandy Boss, eine reiche Unternehmensberaterin, hielt er mit schillernden Geschichten zum Narren. All das kam 2008 nach einem Sorgerechtsstreit ans Licht, als er in Boston seine damals siebenjährige Tochter entführte. Er wurde zu vier Jahren Haft verurteilt, dann folgte die Mordanklage in Kalifornien.

Es gab keine Tatwaffe, keine Augenzeugen und keine Blutspuren, die den Deutschen mit dem Mord direkt in Verbindung brachten. Und doch waren sich die Geschworenen nach einem mehrwöchigen Mordprozess schnell einig. Mit einer stumpfen Waffe und einem scharfen Objekt habe er das Opfer kaltblütig getötet, führte die Anklage aus. Es kamen Dutzende Zeugen zu Wort, die Gerhartsreiter als notorischen Lügner und Hochstapler beschrieben. Ein "Meister" im Manipulieren, der sich über Jahrzehnte hinter verschiedenen Identitäten versteckte und Zugang zu reichen Kreisen suchte.

Ihr Mandant sei ein "seltsamer Typ, ein komischer Kerl", hatten Gerhartsreiters Verteidiger in dem Prozess eingeräumt. Aber kein Mörder. Sie legten nahe, dass John Sohus' verschwundene Frau die Tat begangen haben könnte. In seiner Doppelrolle als eigener Anwalt und Verurteilter wird es der Bayer schwer haben, das Gericht am Donnerstag von dieser Theorie zu überzeugen.

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