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Hilfe für Opfer rollt nur schleppend an

Die Bilder der verzweifelten Taifun-Opfer auf den Philippinen gehen um die Welt. Die Hilfsaktionen laufen, aber Hunderttausende haben weiter kein Essen und Wasser. Die Behörden haben Erklärungen – manche klingen wenig überzeugend.

Auf dem Flughafen Schönefeld (Brandenburg) werden Hilfsgüter für die Taifun-Opfer verladen. 70 Tonnen Fracht werden vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) und dem Technischen Hilfswerk (THW) in die am schwersten getroffene Region Cebu geschickt.
Patrick Pleul Auf dem Flughafen Schönefeld (Brandenburg) werden Hilfsgüter für die Taifun-Opfer verladen. 70 Tonnen Fracht werden vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) und dem Technischen Hilfswerk (THW) in die am schwersten getroffene Region Cebu geschickt.

Warum läuft die Hilfe so schleppend an?

In den ersten Tagen war es die schiere Zerstörung im Katastrophengebiet. Flughäfen und Hafenanlagen waren kaputt, Brücken eingestürzt. Dann konnten auf der beschädigten Landebahn von Tacloban kleine Flieger landen, aber die Straßen waren unpassierbar. "Es ist nicht so einfach, umgestürzte Strommasten zu entfernen", sagt der Minister für Straßenbau, Rogelio Singson. "Unsere Leute haben erst gezögert, wegen der Kabel, aber wir haben ihnen dann gesagt: einfach durchschneiden, wir brauchen die Straßen."

Warum ging das nicht schneller, was sagen die Lokalbehörden?

Vor Ort war auch einfach nicht sofort genügend Personal im Einsatz. "Die Mitarbeiter waren auch betroffen, die mussten sich um ihre Familien kümmern", sagt Präsident Benigno Aquino.

Wie reagiert die Zentralregierung?

"Wir tun unser Menschenmögliches", versichert Innenminister Mar Roxas immer wieder. Aber die Regierung war vom Ausmaß der Katastrophe überfordert. Es gab keine Telefone, keinen Strom, kein Internet. "Wie koordiniert man schnell Hilfe, wenn man keine Kommunikation hat?" sagt Roxas. Die Katastrophenbehörden haben die Wucht des Taifuns unterschätzt und nicht damit gerechnet, dass in so einem großen Gebiet praktisch alle Kommunikation ausgelöscht wird.

Was sind die Folgen der Verzögerungen?

Weil die Überlebenden kein Essen und Trinkwasser bekamen, haben sie begonnen, Geschäfte zu plündern. Weil die Lage gefährlich wurde, haben die Behörden vor den Hilfsgütern Polizei und Soldaten in die Region geschickt. Auch ein Problem: Die Lokalpolizisten sind selbst Opfer. "Leider sind von 290 Polizisten in Tacloban nur 20 zum Dienst gekommen", sagt Präsident Aquino.

Tonnenweise Hilfsgüter sind gepackt worden. Wo ist das Material?

Es wird ja schon jede Menge verteilt, das Sozialministerium listet zum Beispiel 44 000 Essenspakete und 35 000 Halbliterflaschen Wasser auf, die an einem Tag in Tacloban vergeben wurden. Aber bei der schieren Zahl der Bedürftigen ist das ein Tropfen auf dem heißen Stein. Allein in Tacloban leben 220 000 Menschen. 600 000 Menschen brauchen dringend Hilfe zum Überleben. Es fehlt auch an Leuten, die einzelnen Hilfspakete zu packen. Das soll jetzt direkt im Katastrophengebiet passieren. "Dann sind wir gleich näher dran, und es schafft auch Arbeitsplätze", sagt Kabinettssekretär Rene Almendras. "Der Plan muss noch ausgearbeitet werden."

Können internationale Helfer ihre Anstrengungen nicht erhöhen?

Es lagern jede Menge Hilfsgüter an den Flughäfen von Manila und in Cebu. Dort muss aber alles auf kleine Flieger umgepackt werden, weil nur diese in Tacloban landen können. Mit dem Schiff dauert es vom nächsten Hafen ein bis zwei Tage dorthin. Zwei Schiffe der Marine sind inzwischen mit Hilfsgütern angekommen. Warum sie nicht eher geschickt, wurden ist unklar.

Gibt es Aussicht auf Besserung?

Inzwischen sind Brücken nach Leyte repariert worden, es sind Konvois aus dem Norden und Süden unterwegs. Ein Flugzeugträger der US-Marine ist ganz in der Nähe. Die Hubschrauber an Bord sollten die Verteilung deutlich beschleunigen.

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