Wie weiter mit dem CSD in Berlin:

Homo-Parade steckt im Schlamassel

Der Berliner CSD ist für Schwule und Lesben eine der größten Partys und wichtigsten Demos in Europa. Dieses Jahr steckt die Parade im Schlamassel. Schuld ist auch ein Name.

"Frühling für Schwule in Russland!" fordert dieser reichlich dekorierte CSD-Teilnehmer am Brandenburger Tor.
Wolfgang Kumm "Frühling für Schwule in Russland!" fordert dieser reichlich dekorierte CSD-Teilnehmer am Brandenburger Tor.

Wie viele Leute werden sich als Conchita Wurst verkleiden? Wie bleibt die Sektflasche im Rucksack kalt? Und welcher Protest-Slogan soll auf dem Demo-Plakat stehen – vielleicht wieder was mit Putin? Solche Fragen würden normalerweise die Schwulen und Lesben vor der Berliner Parade zum Christopher Street Day (CSD) beschäftigen.

Nicht so dieses Jahr: Es gab Stunk. Die Berliner Aids-Hilfe, die Grünen, SPD und CDU sagten nach Kapriolen des CSD-Vereins die Parade am 21. Juni ab. Der Verein hatte sich nicht nur mit der Landespolitik angelegt, er wollte auch eine Namensänderung. Das fanden viele unnötig.

In der Berliner Szene sagt man „Ich geh’ zum CSD“. Nun sollte die Parade, die Hunderttausende Leute anlockt, auf einmal „Stonewall“ heißen. Damit wollte der Verein noch politischer werden und an die „Stonewall“-Bar in der New Yorker Christopher Street erinnern, wo sich 1969 homosexuelle Gäste gegen Polizeigewalt gewehrt hatten. Das ist der Ursprung der weltweiten Paraden.

Klaus Wowereit über seine Teilnahme noch im Unklaren

In Berlin bekamen die Organisatoren (nicht nur) wegen der Umbenennung Ärger und zogen sie schließlich zurück. Speziell Vorstand und Geschäftsführer seien der Community „extrem auf die Nerven“ gegangen, bilanziert die Grünen-Landespolitikerin Anja Kofbinger. „Die Namensdebatte hat die Inhalte völlig überdeckt“, räumt Simon Zobel vom CSD-Verein ein. Nun soll eine „Stonewall“-Gala vorher die politischen Botschaften untermauern.

Ein Aktionsbündnis hat in dem Streit eine zweite Demo angemeldet. Ob sich die Paraden noch zusammenschließen und wie groß der CSD wird, ist offen. Auch die Routenplanung war schwierig: Wegen der Fanmeile zur Fußball-WM zieht die Parade nicht zum Brandenburger Tor, sondern zur Siegessäule. Der Verein wünscht sich trotz allem den „besten CSD ever“.

Klaus Wowereit, Berlins offen schwuler Regierender Bürgermeister und früher in Trainingsjacke bei der Parade unterwegs, will die CSD-Querelen nicht kommentieren. Ob er dabei ist, steht noch aus. Der Tag bleibe ein wichtiges Datum, lässt der SPD-Politiker seinen Sprecher ausrichten. „Und wir wünschen uns davon ein starkes Signal für volle Gleichstellung.“

Nordkurier digital jetzt mit Gratis Huawei MediaPad T1 10.0