Über 500 Tote in Haiti:

Hurrikan „Nicole“ dreht von Bermuda-Inseln ab

Den Bermuda-Inseln bleibt das Schlimmste erspart. Der Wirbelsturm dreht vor der Inselgruppe ab und zieht ins offene Meer hinaus. In Haiti hingegen zeigt sich das ganze Ausmaß der Katastrophe. Die Hilfe läuft nur langsam an. Nach Hurrikan „Matthew“ droht nun die Cholera.

Für die Hilfsorganisationen, die nach dem Hurrikan in Haiti Hilfe leisten, zeichnet sich das gesamte Ausmaß der Naturkatastrophe ab.
World Vision/Aktion Deutschland Hilft e.V. Für die Hilfsorganisationen, die nach dem Hurrikan in Haiti Hilfe leisten, zeichnet sich das gesamte Ausmaß der Naturkatastrophe ab.

Der Hurrikan „Nicole“ hat die Bermuda-Inseln weitgehend verschont. Der Wirbelsturm der Kategorie 2 drehte ab und entfernte sich von dem britischen Überseegebiet im Atlantik. Das Zentrum von „Nicole“ lag am Donnerstagabend (Ortszeit) 285 Kilometer nordöstlich von Bermuda und bewegte sich mit einer Geschwindigkeit von gut 30 Kilometern pro Stunde Richtung Nordosten.

Die Ausläufer von „Nicole“ richteten vereinzelte Schäden in Bermuda an. Mauern stürzten ein, Dächer wurden abgedeckt, Straßen und Häuser überflutet, wie die Zeitung „Royal Gazette“ berichtete. Auf der Hauptinsel fiel teilweise der Strom aus. Geschäfte, Büros und Schulen sollten bis Freitag geschlossen bleiben. Airlines sagten ihre Flüge nach Bermuda ab, der Bus- und Fährverkehr wurde eingestellt.

Einige Dörfer nur aus der Luft oder mit dem Boot erreichbar

In Haiti zeigt sich eine Woche nach dem schweren Hurrikan „Matthew“ das ganze Ausmaß der Zerstörung. 1,4 Millionen Menschen in dem bitterarmen Karibikstaat brauchen dringend Hilfe. Die Zahl der Todesopfer ist auf 546 gestiegen. 128 Menschen wurden noch vermisst, weitere 439 verletzt, wie der Zivilschutz am Donnerstagabend mitteilte.

Die Verteilung der Hilfsgüter lief zunächst nur langsam an. In der Stadt Jérémie ist fast jedes Haus zerstört, die Menschen haben nichts zu essen. „Die Hilfsgüter erreichen uns nach und nach, aber die Verteilung ist eine riesige logistische Herausforderung“, sagte Holly Frew von der Hilfsorganisation Care.

„Es gibt hier Dörfer, die lassen sich nur per Helikopter oder Boot erreichen“, sagte Alexander Mauz vom Arbeiter-Samariter-Bund am Mittwoch nach einem Besuch im Süden. „Die Menschen sind verzweifelt. Sie haben ihre Häuser und ihre Ernte verloren. Auch eine Woche nach dem Sturm ist bei ihnen noch keine Hilfe angekommen.“

Schon über 500 Cholera-Infektionen

In Haiti wächst unterdessen die Angst vor Cholera. 510 Infektionen wurden bereits registriert. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schickte eine Million Impfdosen gegen Cholera in das Katastrophengebiet. Allerdings müssten noch weitere Schritte gegen die Ausbreitung der Seuche unternommen werden, teilte die WHO mit. „Das Wichtigste ist, die Menschen mit sauberem Trinkwasser zu versorgen und die Abwasserentsorgung zu verbessern“, sagte WHO-Cholera-Experte Dominique Legros.

Bei einer Cholera-Epidemie nach dem schweren Erdbeben 2010 waren mehr als 8500 Menschen an der Seuche gestorben. Wahrscheinlich hatten nepalesische UN-Blauhelmsoldaten die Krankheit nach Haiti eingeschleppt.

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