Eizellen einfrieren für den Arbeitgeber:

Kinder können bei Apple und Facebook noch warten

Das Silicon Valley scheint eine neuen Methode entdeckt zu haben, um das Dilemma „Kinder oder Karriere?“ aufzulösen: Frauen wird das Einfrieren von Eizellen bezahlt, der Kinderwunsch kann warten. Nicht alle sehen das positiv.

Damit Frauen ihre Arbeit nicht unterbrechen, können sie in den USA jetzt ihre Einzellen einfrieren.
Daniel Karmann Damit Frauen ihre Arbeit nicht unterbrechen, können sie in den USA jetzt ihre Einzellen einfrieren.

Apple und Facebook bieten Frauen eine kontroverse Hilfe bei der Karriere- und Lebensplanung an: Sie bezahlen das Einfrieren von Eizellen. Damit können Frauen den Kinderwunsch aufschieben und sich in jungen Jahren auf ihre Karriere konzentrieren. Laut US-Medienberichten geht es um Kosten von bis zu 20 000 Dollar pro Fall. Der i-Phone-Konzern und das weltgrößte Online-Netzwerk betonen zugleich, die Maßnahme sei nur ein Teil ihrer Sozialleistungen für Frauen und Familien.

So verweist Apple auf einen inzwischen über vier Monate langen Mutterschaftsurlaub in den USA und die Übernahme von Kosten, wenn Mitarbeiter ein Kind adoptieren. Unter der seit Februar amtierenden Personalchefin Denise Young Smith wurde am Hauptquartier in Cupertino ein „Wellness Center“ mit Ärzten eröffnet.

Kurz nach der Geburt wieder auf Arbeit

Bei Facebook bekämen Mitarbeiter nach der Geburt eines Kindes vier Monate bezahlten Urlaub und eine zusätzliche Zahlung von 4000 Dollar, sagte eine Sprecherin dem Finanzdienst Bloomberg. Außerdem gebe es eine subventionierte Kinderbetreuung. Die Kosten für das Einfrieren von Eizellen übernimmt Facebook bereits seit Jahresbeginn. Apple folgt im kommenden Jahr.

Die finanzielle Unterstützung für die Behandlung löste im Netz negative Reaktionen aus. So titelte das Blog „Gawker“, Apple und Facebook bezahlten sie, „damit Frauen nie aufhören, zu arbeiten“. Yahoo-Chefin Marissa Mayer sorgte 2012 für Aufsehen, als sie wenige Tage nach der Geburt ihres Sohnes wieder auf der Arbeit war und ein Kinderzimmer neben ihrem Büro einrichten ließ. Bei Facebook machte sich Spitzenmanagerin Sheryl Sandberg einen Namen mit dem Aufruf, Frauen sollten Karriere und Kinder mutiger miteinander verbinden. In ihrem vielbeachteten Buch „Lean In“ schrieb sie, Firmen und die Gesellschaft sollten Frauen dies leichter machen. Sie zählte dort flexible Arbeitszeiten, bezahlte Urlaube und erschwingliche Kinderbetreuung auf – aber kein Einfrieren von Eizellen.

Frauen in Führungsetagen unterrepräsentiert

Die unkonventionelle Mitarbeiterhilfe von Apple und Facebook, über die als erster der Sender CNBC berichtet hatte, fällt in eine Debatte über die Lage von Frauen im Silicon Valley. Sie machen oft weniger als ein Drittel der Belegschaft in IT-Betrieben aus, verdienen weniger und sind in den Führungsetagen unterrepräsentiert.

Erst vor wenigen Tagen sorgte Microsoft-Chef Satya Nadella für ein Aufflammen der Diskussion als er in einem öffentlichen Auftritt meinte, Frauen sollten nicht unbedingt nach Gehaltserhöhungen fragen. Sie würden dann durch „gutes Karma“ belohnt. Nadella nahm wenig später seine Bemerkungen zurück und entschuldigte sich.

Das Einfrieren von Eizellen wurde früher nur als medizinische Behandlung etwa bei Unfruchtbarkeit eingesetzt. Mit gesunkenen Preisen greifen aber in den USA immer mehr Frauen dazu – als Mittel der Familienplanung. Die Expertin für Bioethik und Gesundheitsrecht, Seema Mohapatra, schrieb in der Zeitschrift „Harvard Law & Policy Review“, der Trend wirke wie ein Wundpflaster für das Problem, Beruf und Familie zu vereinen. Die Angebote der Firmen, die Behandlung zu bezahlen, könnten einen sozialen Druck auf die Frauen schaffen, im Namen der Karriere davon Gebrauch zu machen.

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