Tiere in Nepal:

Kleine Frau in großem Kampf gegen Elefanten in Ketten

"Ohne Ketten heißt ohne Schmerz" lautet das Projekt von Carol Buckley. Sie will in Nepal möglichst viele Elefanten von ihren Fußketten befreien. Das bleibt nicht ohne Widerstände.

Das Projekt "Ohne Ketten heißt ohne Schmerz" setzt sich für die Freiheit von Elefanten ein.
Pratibha Tuladhar Das Projekt "Ohne Ketten heißt ohne Schmerz" setzt sich für die Freiheit von Elefanten ein.

Carol Buckleys Arbeit in Nepal begann mit einer Trostreise. Buckley hatte gerade Tarra verloren, die Elefantendame, die sie als 18-Jährige aus einem Einkaufszentrum in den USA rettete und über viele Jahre begleitete. Nach dem Tod von Tarra suchte Buckley für ihre geschundene Seele Heilung bei Elefanten-Safaris in Thailand, Indien und Nepal. "Doch in allen Ländern sah ich das Gleiche: gefangene Arbeitselefanten, die unter grausamen Bedingungen lebten. Da wusste ich, ich muss etwas tun", sagt die US-Amerikanerin.

Das war vor fünf Jahren. Mittlerweile hat die kleine Frau den großen Kampf gegen Fußfesseln aufgenommen - und in Nepal 63 Elefanten aus ihren Ketten befreit. Sie leben jetzt im Chitwan-Nationalpark im Süden des Himalaya-Landes. "Elefanten in Gefangenschaft wiegen sich hin und her, weil sie niedergeschlagen sind und beim Wiegen das Glückshormon Serotonin freigesetzt wird", sagt Buckley. Bei ihrem ersten nepalesischen Elefanten Prakriti Kali sei nach der Befreiung sofort ein positiver Effekt sichtbar geworden: Die achtjährige Dame habe mit der Verhaltensauffälligkeit aufgehört.

"Wir haben zunächst in einem Pilotprojekt angefangen"

Sogar Teile der notorisch schwerfälligen Bürokratie des südasiatischen Landes konnte Buckley mit ihrer Arbeit irgendwann überzeugen. "Wir haben zunächst in einem Pilotprojekt angefangen", sagt Chiranjibi Pokharel. Er ist Projektleiter der Stiftung für Naturschutz in Nepal, die mit der Regierung zusammenarbeitet. Mittlerweile lebten in allen 15 staatlich betriebenen Ställen die Arbeitselefanten im Ruhestand ohne Ketten. "Denn wir sehen, dass es den herumlaufenden Elefanten einfach besser geht", sagt Pokharel.

Die Tiere brauchen dabei enorm viel Platz. Etwa 4000 Quadratmeter stelle sie jedem Tier zur Verfügung, sagt Buckley, "am besten in Waldnähe und weit von menschlichen Siedlungen entfernt". Keine leichte Aufgabe in einem bergigen Land, dessen Bevölkerung rasant wächst. Und Buckley hat auch noch mit anderen Schwierigkeiten zu ringen: etwa den Mahouts, den traditionellen Führern der Elefanten.

Der Elefantenbetreuer Narayan Dhami etwa sagt: "Wenn sie nicht angekettet sind, ist es schwierig, sie zu waschen, und sie hören manchmal nicht zu." Dennoch unterstütze er das Ablegen der Ketten, meint er. "Sie sehen glücklicher aus", sagt auch Mahout Jalendra Prasad Chaudhary. Doch wolle er nur Weibchen frei laufen lassen. "Die Bullen können wir nicht losbinden, die werden aggressiv", sagt er. Im Februar durchbrach ein Bulle einen Elektrozaun an der Weide und wütete im Wald. Dabei tötete er eine wilde Elefantenkuh.

Wird die Arbeit mit den Elefanten schwierig, kommen sie in Ketten

Buckley dreht ständig ihre Runden, um möglichst alle Ställe im Land zu besuchen. "Denn jedes Mal, wenn die Arbeit etwas schwierig wird, legen die Mahouts die Elefanten wieder in Ketten", sagt sie. Doch trotz aller Widerstände dehnt sie ihr Programm ständig aus. 15 Elefanten hat sie schon in Indien geholfen, nun soll Thailand folgen. "Dort ist es genauso schwierig, weil die Menschen die Tiere ebenfalls oft nicht verstehen", sagt sie.

Das hat auch Marina Loch beobachtet, eine deutsche Studentin, die für einige Wochen in Buckleys Projekt in Nepal arbeitet. "Die Elefanten in Ketten arbeiten zu lassen ist Teil der Kultur", sagt sie. Oft, sagt Buckley, sei sie wegen der vielen Hürden schon in Tränen ausgebrochen. Doch erlebe sie eben auch Momente wie diesen: "Eines nachmittags kam die älteste Elefantenkuh in der Aufzuchtstation in Khorsor langsam auf mich zu. Drei jüngere folgten ihr. Die Alte schaute mir in die Augen, und ich fühlte, dass sie mir danken wollte."

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