Putschversuch am Bosporus:

Militär verkündet Machtübernahme in der Türkei

Beunruhigende Nachrichten von der Grenze Europas: Das türkische Militär hat nach eigenen Angaben am Freitagabend die Macht in der Türkei übernommen. Staatspräsident Erdogan ist nach Angaben aus Kreisen seines Amtes dennoch nicht abgesetzt.

Sedat Suna Unter anderem die Bosporus-Brücke in Istanbul ist derzeit gesperrt.

Angesichts des Putschversuchs in der Türkei hat die Bundesregierung die Respektierung der demokratischen Institutionen verlangt. „Die demokratische Ordnung in der Türkei muss respektiert werden“, heißt es in einer Erklärung von Regierungssprecher Steffen Seibert, die in der Nacht zum Samstag über den Kurznachrichtendienst Twitter verbreitet wurde. „Alles muss getan werden, um Menschenleben zu schützen.“

Der Putschversuch in der Türkei ist nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu von einem kürzlich aus dem Generalstab abberufenen Stabsoffizier geplant worden. Der Name wurde mit Muharrem Köse angegeben. Auch weitere Mitputschisten wurden namentlich genannt. Der entlassene Stabsoffizier habe im Generalstab die Funktion eines juristischen Beraters inne gehabt.

Wegen des Putschversuches in der Türkei rät das Auswärtige Amt allen Deutschen in der Hauptstadt Ankara und in Istanbul zu „äußerster Vorsicht“. „Bei unklarer Lage wird geraten, Wohnungen und Hotels im Zweifel nicht zu verlassen“, sagte eine Sprecherin in der Nacht zum Samstag in Berlin. Touristen und Geschäftsreisenden wurde empfohlen, Kontakt mit ihrem Reiseveranstalter oder ihrer Fluglinie aufzunehmen.

Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete, ein Hubschrauber der Putschisten sei in Ankara von F-16-Kampfflugzeugen abgeschossen worden. Bei einem Luftangriff der Putschisten auf das Hauptquartier der Spezialkräfte der Polizei in Ankara seien 17 Polizisten getötet worden. Vier Soldaten - darunter ein Offizier - seien beim Versuch, das Gebäude des staatlichen Senders TRT in Istanbul einzunehmen, von Bürgern und Polizisten „neutralisiert“ worden.

Nach Angaben von Ministerpräsident Binali Yildirim sind einige Anführer des Putschversuchs festgenommen worden. „Einige Rädelsführer des Putsches sind festgenommen worden. Die Demokratie wird gewinnen“, sagte Yildirim nach Angaben aus dem Präsidentenpalast. Die Verantwortlichen würden bestraft werden

Nach dem Putschversuch in der Türkei hat die Lufthansa vorerst alle Flüge aus dem Land und in das Land hinein abgesagt. „Wir werden bis morgen Mittag 12 Uhr alle Verbindungen von und in die Türkei streichen“, sagte ein Konzernsprecher. Auch die Billigflug-Tochter Eurowings setzte alle Flüge zwischen Deutschland und der Türkei bis auf Weiteres aus, wie die Gesellschaft mitteilte. Reiseveranstalter TUI rief einen Krisenstab ein. Kunden, die in den nächsten Stunden in die Türkei fliegen wollten, könnten kostenlos ihre Reise stornieren.

Nach Angaben des Senders CNN Türk ist es in der türkischen Hauptstadt Ankara zu Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Militär gekommen. Die Armee habe die Polizeidirektion beschossen, hieß es. Augenzeugen berichteten von Panzern in den Straßen der Hauptstadt.  Der US-Fernsehsender CNN International und die britische BBC zeigen Live-Bilder aus Istanbul: Menschen strömen in Massen auf die Straße und schwenken türkische Fahnen.

Nach der Besetzung des Atatürk-Flughafens in Istanbul durch das Militär am Freitag ist die Armee nach Angaben aus Präsidialkreisen wieder vom Gelände abgezogen. Die Nachrichtenagentur DHA berichtete, Demonstranten seien auf das Gelände des Atatürk-Flughafens eingedrungen. Daraufhin habe das Militär den Flughafen verlassen.

Aus Präsidialamtskreisen hieß es, Erdogan sei an einem sicheren Ort. Nähere Angaben zum Aufenthaltsort gab es zunächst nicht. Nach dem Militärputsch in der Türkei haben die Putschisten eine Ausgangssperre im ganzen Land verhängt. Die Ausgangssperre diene der Sicherheit der Bürger, hieß es in einer Erklärung, die Putschisten im Staatssender TRT 1 verlesen ließen.

Der türkische Staatspräsident Recep Erdogan fordert die Menschen in der Türkei auf, auf die Straßen und Plätze zu gehen. In einem live übertragenen Telefonanruf beim Sender CNN Türk sagte Erdogan am Freitagabend: „Ich rufe unser Volk auf, sich auf den Plätzen und am Flughafen zu versammeln. Sollen sie (die Putschisten) mit ihren Panzern und ihren Kanonen machen, was sie wollen.“

Laut ARD ist offiziell eine Ausgangssperre verhängt worden. Augenzeugen melden heftige Schusswechsel am Armeehauptquartier. Auch aus dem Sendezentrum des staatlichen Fernsehens TRT werden Schüsse gemeldet.

Die türkischen Streitkräfte haben nach eigenen Angaben vollständig die Macht in der Türkei übernommen. Das teilte das Militär am Freitagabend nach Angaben der privaten Nachrichtenagentur DHA mit. Ministerpräsident Binali Yildirim sagte, es sei verfrüht, von einem Putsch zu sprechen. „Dieser Versuch wird nicht erlaubt werden.“ Yildirim kündigte an, die Hintermänner „werden den höchsten Preis bezahlen“.

Die Nachrichtenagentur DHA meldete, in der Hauptstadt Ankara habe die Polizei das gesamte Personal zum Dienst gerufen. Im Umfeld des Armee-Hauptquartiers seien erhöhte Sicherheitsmaßnahmen getroffen worden. Zahlreiche Krankenwägen stünden dort bereit. Jets würden im Tiefflug über die Hauptstadt fliegen.

Augenzeugen in Istanbul berichteten von schwer bewaffneten Sicherheitskräften in den Straßen. Über Istanbul kreisten Hubschrauber. DHA meldete, eine der Bosporus-Brücken sei teilweise gesperrt worden. Der türkische Präsident Recep Erdogan soll laut CNN Turk an einen sicheren Ort gebracht worden sein.

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