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Mit Fünflingen plötzlich eine Großfamilie

Jedes Neugeborene verändert das Leben der Eltern grundlegend. Fünf auf einen Streich aber werfen jede Planung über den Haufen. Da ist dann nicht nur das Auto zu klein.

Die Eltern Makarios und Fedah Touma und ihre Fünflinge: oben: Justina und Melissia, unten: Evelyn, Josefina und Maria. Eine echt große Familie!
Wilfried Gerharz Die Eltern Makarios und Fedah Touma und ihre Fünflinge: oben: Justina und Melissia, unten: Evelyn, Josefina und Maria. Eine echt große Familie!

Beim ersten Besuch beim Frauenarzt hieß es: Glückwunsch zur Schwangerschaft, es werden Zwillinge. Familie Touma war stolz, Vater Makarios (31) sogar übermütig. „Zwei ist nix, ich will vier haben“, sagte er da noch und riskierte eine große Klappe. Nach dem nächsten Arzt-Besuch – diesmal ging seine Frau alleine los – blieb Makarios vor Schreck der Mund offen stehen. Die Frauenärztin entdeckte zwei weitere Föten – jetzt schienen es tatsächlich vier zu sein. Aber dabei sollte es nicht bleiben. Nach der nächsten Ultraschall-Untersuchung hieß es, „es sind nicht vier, sondern fünf Kinder“.

Und jetzt sind sie da, die Fünflinge von Münster. Am 12. November gegen 11 Uhr innerhalb von drei Minuten per Kaiserschnitt zur Welt gebracht, hat das Mädchen-Quintett die aus Syrien stammende Familie Touma mit einem Schlag zur Großfamilie gemacht. Aus Drei mach Acht – der dreijährige Sohn Michael bekam mit einem Schlag fünf Schwestern. Nicht nur für ihn hat sich die Welt innerhalb weniger Monate komplett verändert.

Den Mädchen geht es gut, auch wenn sie noch ein paar Wochen gut behütet im Brutkasten auf der Intensivstation liegen. Maria, Melissia, Josefina, Justina und Evelyn brachten bei der Geburt zwischen 1040 und 1270 Gramm auf die Waage. Papa Makarios traut sich noch nicht so recht ran: „Ich bin noch sehr zurückhaltend, weil sie so zerbrechlich wirken“, sagte er.

Schon Anfragen für eine Langzeit-Dokumentation

Die Medien stehen Schlange. Fernsehsender fragen an nach Exklusiv-Interviews, Studioauftritten und Langzeit-Dokumentationen. Marion Dreischer, Sprecherin der Uniklinik Münster, tritt auf die Bremse. „Die Familie schaut sich das alles an und überlegt in aller Ruhe, ob und welche Angebote sie annehmen wird.“

Noch bis Januar wird die Familie im Familienhaus der Uniklinik wohnen, auch über Weihnachten. Ihr Heimatort Gronau liegt an der holländischen Grenze rund 60 Kilometer entfernt. In Gronau geht es Anfang des Jahres in eine größere Wohnung, die alte hatte 70 Quadratmeter, jetzt werden es 137.

Der Sozialdienst der Uni-Klink sorgt in diesen Wochen für die nötigen Hilfen und knüpft bereits Kontakte nach Gronau. Angebote aus der Bevölkerung gebe es viele. Sorgen bereitet der neuen Großfamilie aber die Frage nach dem zukünftigen Transportmitteln: „In unseren Golf passen nicht alle hinein“, sagt Vater Touma. Und auch neue Kinderwagen müssen her. „Am besten natürlich zwei, einer für Zwillinge und einer für Drillinge“, plant die sportliche und zierliche Mutter Fedah (26).

Finanziell ist die Familie auf Spenden angewiesen. Der Handwerker mit niederländischem Pass hat in den vergangenen Jahren auf Baustellen im Nachbarland gearbeitet. Jetzt ist er auf Jobsuche. Seine Eltern wohnen in der Nachbarstadt Enschede auf der anderen Seite der Grenze. Fedahs Eltern leben in Syrien.