Brite verzauberte Nachkriegsdeutschland:

„Mr. Pumpernickel“ ist tot

Es war eine der unwahrscheinlichsten Nachkriegskarrieren: Ein junger Londoner kommt ohne Sprachkenntnisse in das besetzte Deutschland – und wird zu einem der beliebtesten Entertainer. Dennoch war Chris Howland mit seinem Leben nicht nur zufrieden.

Chris Howland erschloss dem deutschen Publikum die internationale Musikszene – und wurde dafür geliebt. Woche für Woche bekam er 40 000 Fanbriefe.
Horst Ossinger Chris Howland erschloss dem deutschen Publikum die internationale Musikszene – und wurde dafür geliebt. Woche für Woche bekam er 40 000 Fanbriefe.

Chris Howland kannte einfach alle, die in der Nachkriegszeit bei Radio und Fernsehen eine Rolle gespielt hatten. Nun ist „Mr. Pumpernickel“ mit 85 Jahren im rheinischen Rösrath gestorben.

Sein starker englischer Akzent war sein Markenzeichen – und keineswegs gespielt. Mit seiner deutschen Frau Monika sprach er sogar nur Englisch.

Im Alter wunderte er sich darüber, wie er damals den Mut aufbrachte, ohne Sprachkenntnisse nach Deutschland zu gehen. Als er nach zwei Gin Tonics in Hamburg einmal am Funkhaus des damaligen Nordwestdeutschen Rundfunks (NWDR) vorbeikam, wettete ein Freund mit ihm, dass er sich nicht trauen werde, hineinzugehen und sich um einen Job als Disc Jockey zu bewerben. Howland nahm die Wette an – und bekam am selben Tag die Zusage.

Die deutschen Sender spielten damals fast nur Klassik. Er war es, der dem deutschen Publikum die internationale Musikszene erschloss – und dafür geliebt wurde. Woche für Woche bekam er 40 000 Fanbriefe. Einmal verabschiedete er sich aus Spaß mit dem erfundenen Namen Heinrich Pumpernickel, weil er einen missmutigen Studiotechniker aufheitern wollte – so bekam er seinen Spitznamen „Mr. Pumpernickel“.

Die Bühne betrat er erstmals auf Drängen von Heinz Erhardt, den er selbst als seinen „Ersatzvater“ bezeichnete. Er landete zahlreiche Hits wie „1,2,3,4,5,6,7, wo ist meine Braut geblieben“. Doch Howland kannte auch die Schattenseiten des Showbusiness. In den 70er Jahren erlebte er einen Absturz: Private und berufliche Enttäuschungen, Alkoholprobleme, keine Aufträge mehr. Er musste durch Festzelte und Biersäle tingeln. Doch er überwand die Krise, heiratete wieder. In den 80er Jahren feierte er sein Comeback mit der ARD-Retroshow „Souvenirs, Souvenirs“. Noch 2007 spielte er einen Butler in der Edgar-Wallace-Parodie „Neues vom Wixxer“. War er zufrieden mit seinem Leben? Einer Antwort auf diese Frage wich er aus. Er hatte wohl zu sehr das Gefühl, dass ihm der ganz große Durchbruch als Showmaster oft im letzten Moment versagt worden war.

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