„Kühe können langweilig sein“:

Nobelpreise für kuriose Forschung

Papierflieger, bunte Hüte und allerlei kuriose Wissenschaft: Bei einer klamaukig-schrillen Gala an der Elite-Universität Harvard sind die alljährlichen Ig-Nobelpreise verliehen worden - an Forschung, die „erst zum Lachen und dann zum Denken reizt“.

Bei der Verleihung der Ig-Nobelpreise stand die kuriose Forschung im Mittelpunkt. Die Auszeichnungen sollen „das Ungewöhnliche feiern und das Fantasievolle ehren“ und belohnten diesmal Erkenntnisse wie diese: Je länger eine Kuh liegt, desto eher steht sie wahrscheinlich wieder auf.
Roland Weihrauch Bei der Verleihung der Ig-Nobelpreise stand die kuriose Forschung im Mittelpunkt. Die Auszeichnungen sollen „das Ungewöhnliche feiern und das Fantasievolle ehren“ und belohnten diesmal Erkenntnisse wie diese: Je länger eine Kuh liegt, desto eher steht sie wahrscheinlich wieder auf.

Zuerst fliegen traditionell die Papierflieger auf die Bühne. Später werden altehrwürdige Nobelpreisträger das Chaos wieder zusammenkehren, aber erstmal müssen die brav am Rand des Geschehens sitzen. Bei der klamaukig-schrillen 23. Verleihung der Ig-Nobelpreise am Donnerstagabend (Ortszeit) an der Elite-Universität Harvard stand die kuriose Forschung im Mittelpunkt. Die Auszeichnungen sollen „das Ungewöhnliche feiern und das Fantasievolle ehren“ und belohnten diesmal Erkenntnisse wie diese: Je länger eine Kuh liegt, desto eher steht sie wahrscheinlich wieder auf. Oder auch: Menschen, die sich als betrunken wahrnehmen, finden sich attraktiv.

Sind solche Forschungsergebnisse überflüssig? Vielleicht, aber das ist nicht der Punkt. Die zugespitzten Erkenntnisse sind publikumswirksam, realitätsnah und vermitteln Spaß an der Wissenschaft. Sie beruhen alle auf anerkannter Forschung und haben in ihrem jeweiligen Fachgebiet und darüber hinaus oft durchaus Wert. Ein Ig-Nobelpreis (die englische Abkürzung für ignorable bedeutet etwa unwürdig) gilt deshalb unter Wissenschaftlern als anerkannte Auszeichnung. Viele reisen von weit her an, um sie sich - oft in bunten Kostümen - vor mehr als 1000 Zuschauern abzuholen.

„Mir ist langweilig, bitte hör' auf“

Forscher aus Japan kamen beispielsweise in Maus-Kostümen auf die Bühne. Ihre Experimente hatten ergeben, dass am Herzen operierte Mäuse länger leben, wenn sie Oper hören. „La Traviata“, sagte einer der Wissenschaftler und begann zu singen - bis ihn ein kleines Mädchen lauthals unterbrach. „Mir ist langweilig, bitte hör' auf“, sagte sie immer wieder hintereinander. Wie jedes Mal, wenn ein Preisträger die vorgegebene Zeit für seine Dankesrede überschritt.

Vom ebenfalls ausgezeichneten Forscher Bert Tolkamp stammt die Erkenntnis, dass eine Kuh, die schon lange liegt, wahrscheinlich bald wieder aufstehen wird - aber wenn sie erstmal aufgestanden ist, ist es nicht mehr so leicht vorhersagbar, wann sie sich wieder hinlegen wird. „Ich beobachte Kühe seit vielen Jahren“, sagte der Experte in seiner Dankesrede. „Deswegen kann ich mit einiger Kompetenz sagen: Kühe können wirklich langweilig sein.“ Das Verhalten seiner Untersuchungsobjekte sei „wirklich, wirklich enttäuschend gewesen“.

Auch die Entdeckung, dass Mistkäfer ihren Weg nach Hause finden, indem sie sich an der Milchstraße orientieren, und der Verzehr einer Spitzmaus wurden ausgezeichnet. Dazwischen wurden bizarre Kurz-Opern aufgeführt und ein Treffen mit einem echten Nobelpreisträger verlost.

Keine Tränen mehr beim Schneiden von Zwiebeln

In Badelatschen kam ein Team auf die Bühne, das bewiesen hatte, dass einige Menschen in der Lage wären, über einen Teich zu rennen - wenn diese Menschen und der Teich auf dem Mond wären. Und Forscher aus China brachten Zwiebeln mit und klebten sich falsche Tränen an: Sie hatten entdeckt, dass der biochemische Prozess beim Zwiebelschneiden noch komplizierter ist als bislang gedacht. Ihre Entdeckung könnte vielleicht dazu führen, dass Zwiebeln entwickelt werden, die Menschen beim Schneiden nicht mehr zu Tränen reizen.

Dann ging es für die echten Nobelpreisträger daran, die Haufen von Papierfliegern zusammenzufegen. Vorher verabschiedete Moderator Marc Abrahams, Herausgeber einer wissenschaftlichen Zeitschrift zu kurioser Forschung, im zerrupften Zylinder die Zuschauer und Ausgezeichneten. „Wenn Sie keinen Ig-Nobelpreis dieses Jahr gewonnen haben - und besonders dann, wenn sie einen gewonnen haben: Mehr Glück im nächsten Jahr!“

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