Mordfall Peggy:

Polizei sucht Mädchenleiche im Grab einer 81-Jährigen

Was ist mit Peggy passiert? Der mysteriöse Fall des neunjährigen Mädchens lässt die Ermittler auch nach Jahren nicht los: Manche zweifeln an der Schuld des Täters, neue Hinweise tauchen auf. Und die Suche nach Peggys Leichnam geht weiter.

Polizisten suchen im Grab einer 81-Jährigen Frau nach Peggys Leiche. Es sei möglich, dass sie bei einer Bestattung im Mai 2001 mit in dieses Grab gelegt worden sei.
David Ebener Polizisten suchen im Grab einer 81-Jährigen Frau nach Peggys Leiche. Es sei möglich, dass sie bei einer Bestattung im Mai 2001 mit in dieses Grab gelegt worden sei.

Ein Zelt und ein mit Planen behängter Bauzaun sollen vor Blicken schützen. Auf dem Friedhof des oberfränkischen Lichtenberg öffnet die Polizei ein Grab. Sie hegt den Verdacht, dass hier nicht nur eine 81-jährige Frau beerdigt wurde, sondern auch die Leiche der 2001 verschwundenen Peggy versteckt sein könnte. In der Nacht zum Mittwoch sind die Ermittler angekommen, am Mittag sind die Arbeiten beendet. Der leitende Oberstaatsanwalt, Herbert Potzel aus Bayreuth, ergreift das Wort: Es sei so gut wie auszuschließen, dass Peggy hier vergraben ist. Das Versteck wäre clever gewesen: Die 81-Jährige wurde zwei Tage nach Peggys Verschwinden beerdigt. Der Täter hätte die Leiche in das Grab oder den Sarg legen können.

Zwar wurde 2004 der heute 36-jährige Ulvi K. aus Lichtenberg als Peggys Mörder verurteilt. Doch es gibt Zweifel. Sein Anwalt Michael Euler hat den Ermittlern viele Pannen vorgeworfen: Da bis heute die Leiche des damals neun Jahre alten Mädchens fehlt, hätte dem geistig behinderten Mann das „perfekte Verbrechen“ gelingen müssen. Dem Gericht zufolge rannte Ulvi K. hinter dem Mädchen her und tötete es. Er ist aber ein schwergewichtiger Mann, der sich im Zeitlupentempo bewegt.

Verfahren wieder aufgenommen

Auf zwei Punkte stützt das Landgericht Bayreuth seine Entscheidung, das Verfahren wieder aufzunehmen: Ein wichtiger Zeuge hatte behauptet, K. habe ihm den Mord gestanden. Dies sei eine Lüge gewesen, widerrief er seine Aussage später. Zudem hatten die damaligen Ermittler einen möglichen Tathergang konstruiert, der verblüffend dem Geständnis des Angeklagten ähnelte. Ulvi K. widerrief das Geständnis später. Er ist wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern in einer psychiatrischen Klinik.

Ins Visier der Staatsanwaltschaft geriet inzwischen ein Mann aus Halle, der 2001 als enger Freund von Peggys Familie galt. Er sitzt wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes in Haft. Auch gegen seinen Halbbruder werde ermittelt, sagt Oberstaatsanwalt Potzel.

Chronolgie der Ereignisse

Mai 2001: Die neunjährige Peggy aus dem oberfränkischen Lichtenberg wird letztmalig auf dem Heimweg von der Schule gesehen. Ihre alleinerziehende Mutter gibt noch am Abend eine Vermisstenanzeige auf. Wochenlange Suchaktionen, unter anderem mit Tornados der Bundeswehr, bleiben ohne Erfolg.

August 2001: Der geistig behinderte Ulvi K. wird festgenommen. Er gesteht, sich an Peggy und drei weiteren Kindern sexuell vergangen zu haben.

28. Februar 2003: Die Staatsanwaltschaft Hof erhebt Anklage wegen Mordes.

30. April 2004: Nach 26 Verhandlungstagen wird Ulvi K. wegen Mordes an Peggy zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt.

17. September 2010: Ein wichtiger Belastungszeuge hat seine Aussage widerrufen und erhebt schwere Vorwürfe gegen die Ermittlungsbehörden.

04. April 2013: Der Anwalt Michael Euler beantragt beim Landgericht Bayreuth die Wiederaufnahme des Falls.

22. April 2013: Die Polizei sucht wieder nach Peggys Leiche. Hinweise führten die Ermittler zu einem Anwesen mitten in Lichtenberg. Knochen in einer Sickergrube stammen nicht von Peggy.

21. November 2013: Ein Mann aus Halle in Sachsen-Anhalt ist ins Visier der Ermittler gerückt. Er war ein enger Freund von Peggys Familie und gilt für die Staatsanwaltschaft mittlerweile als Tatverdächtiger.

9. Dezember 2013: Das Landgericht Bayreuth ordnet die Wiederaufnahme des Verfahrens gegen Ulvi K. an.

8. Januar 2014: Auf dem Friedhof Lichtenberg öffnen die Ermittler ein Grab. Doch es gibt laut Staatsanwaltschaft keine Hinweise auf die sterblichen Überreste eines Kindes in dem Grab.

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