Parlament hat entschieden:

Präsidentin Rousseff muss gehen

Brasiliens Politik-Krimi hat ein Ende - aber Frieden wird das größte Land Lateinamerikas nicht finden. Dilma Rousseff, die zwar Folterkeller und Krebs besiegt hatte, hat ihren größten politischen Kampf verloren.

Dilma Rousseff ist jetzt nicht mehr Brasiliens Präsidentin.
Antonio Lacerda Dilma Rousseff ist jetzt nicht mehr Brasiliens Präsidentin.

um Schluss lassen sie noch einmal ihrem blanken Hass aufeinander freien Lauf. "Schufte, Schufte, Schufte", brülllt der linke Senator Lindberg Farias seinen Kollegen an. Die Verfechterin der Amtsenthebung von Präsidentin Dilma Rousseff, Senatorin Ana Amélia, beschwört das "neue Brasilien", ohne die Arbeiterpartei. 

Nach über 26 000 Aktenseiten über das Amtsenthebungsverfahren und hunderten Stunden an Sitzungen, Beschimpfungen und Verwerfungen wird um 13.35 Uhr (Ortszeit) eine umstrittene Geschichte geschrieben an jenem 31. August: Die erste Präsidentin des Landes ist abgesetzt. Es ist das Ende eines Krimis, der das Land gelähmt hat.

Nur 20 Senatoren waren dagegen

61 Senatoren stimmen dafür, nur 20 dagegen, eine satte Zwei-Drittel-Mehrheit. In Brasilía knallen sofort Böller, es gibt Hupkonzerte. Doch das «neue Brasilien» ist ein gespaltenes. Der neue Präsident Michel Temer ist nicht gewählt - nur durch geschickte Schachzüge nun an der Macht. Wer in diesen Tagen im Senat unterwegs war, erlebte Politiker in ihre eigenen Welt. Über die Legitimität der Absetzung, die angeblichen Bilanztricks, damit das Defizit milder erscheint, und nicht vom Kongress autorisierte Staatskredite werden noch Doktorarbeiten geschrieben werden. 

Ankläger Miguel Reale wirft Rousseff vor, sich als Märtyrerin zu inszenieren - die frühere Guerillakämpferin verglich das ihr nun Widerfahrene indirekt mit dem Unrecht im Folterkeller während der Militärdiktatur. "Sie hat klar bewiesene Fehler gemacht." Rousseffs Verteidiger, der frühere Justizminister José Eduardo Cardozo, unterstellte den Gegnern ein Macho-Problem. "Auf dass die Geschichte Dilma Rousseff freisprechen wird", sagte Cardozo, den Tränen nahe. Der "parlamentarische Putsch" werde nie akzeptiert.

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