Wie von einem anderen Stern:

Saudi­ Arabien spendiert Buenos Aires neues Islamzentrum

Die seit Jahrhunderten katholisch geprägte argentinische Metropole Buenos Aires beherbergt seit jüngstem das größte Islamzent­rum Lateinamerikas.

Für die meisten Argentinier ist der Koran allerdings ein Buch mit sieben Siegeln, Moslems wohnen für sie in Arabien und sind entweder Ölscheichs oder Terroristen. Diese Vorurteile soll das von Saudi-Arabien für 20 Millionen Dollar errichtete Islamzentrum König Fahd abbauen helfen. Das Zentrum wird die Religion und Kultur der Moslems bewahren und sie fördern, dem Zusammenleben der Religionen dienen und der Diskriminierung vorbeugen, sagte der saudische Kronprinz Abdullah Ibn Abdelasis bei der Einweihung. Die Einrichtung werde allen Konfessionen offen stehen.

Koranschule mit Internat

In Argentinien bekennen sich schätzungsweise bis zu 900 000 Menschen zum Islam oder stammen von moslemischen Einwanderern ab. Ihre Vorfahren kamen ab Mitte des 19. Jahrhunderts vor allem aus dem Libanon und Syrien oder flohen nach dem Zweiten Weltkrieg aus den von Israel eroberten Gebieten. Ihnen bietet das Kulturzentrum künftig nicht nur eine Moschee mit Platz für 2000 Gläubige, sondern auf 20 000 Quadratmetern auch mehrere Konferenz- und Ausstellungssäle, einen Kindergarten und eine Koranschule mit Internat. Auch eine Bibliothek, Sporteinrichtungen und eine Mensa gehören dazu.

Seit den Bombenanschlägen auf die israelische Botschaft 1992 und auf das jüdische Kulturzentrum Amia 1994 mit insgesamt 114 Toten ist das Ansehen der Moslems am Rio de la Plata jedoch lädiert. Schnell gerieten die iranischen Mullahs als Auftraggeber in Verdacht, aber aufgeklärt wurden die Verbrechen bis heute nicht. Dass ausgerechnet der damalige Präsident Carlos Menem, Kind syrischer Einwanderer und Konvertit, das dreieinhalb Hektar große und 20 Millionen Dollar teure Grundstück dem reichen Saudi-Arabien schenkte, sorgte für zusätzlichen Unmut.

Präsident Fernando de la Rua hatte 1998 als damaliger Senator gegen die Schenkung gestimmt und saß bei der Eröffnung des Zentrums dann auch etwas steif neben dem Kronprinzen. Zwischen Einkaufszentren, Appartementhochhäusern und einer Poloarena erscheint das Gebäude wie von einem anderen Stern. Die Wohnung des Imams gefiel vor allem den argentinischen Machos. Sie hat Schlafzimmer für vier Frauen. Dass sie direkt an eine benachbarte Diskothek grenzt, dürfte den Gelehrten weniger freuen.

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