Gebühr für Plastiktragetaschen:

Schluss mit der Tüten-Unsitte in britischen Supermärkten

In vielen Ländern Europas und der Welt sind kostenlose Plastiktüten längst verboten. In England dagegen gehören sie beim Einkauf fast zum guten Ton. Die Regierung will mit der Unsitte nun Schluss machen.

Kunde mit Einkaufstüte der Supermarktkette "Tesco".
Andy_Rain Kunde mit Einkaufstüte der Supermarktkette "Tesco".

„Brauchen sie einen Beutel?“ Arun ist ein freundlicher Mann. An der Kasse vom Tesco-Supermarkt im Londoner Stadtteil Hackney öffnet er jedem Kunden ein paar Plastiktüten mit dem aufgedruckten Logo der großen Handelskette. Dann geht es schneller und der Kunde muss nicht jede Tüte selbst einzeln aufdröseln. Widerstand zwecklos! Erst wenn wirklich genügend Tüten geöffnet auf der Ablage liegen, zieht Arun mit einem Lächeln die Waren über den Scanner. Aruns Kundendienst wird in England wohl bald der Vergangenheit angehören – die Regierung will etwas für die Umwelt tun. In Nordirland, Wales und Schottland gibt es bereits Regelungen.

Die ungehemmte Flut kostenloser Plastiktüten in Englands Supermärkten ist Umweltschützern seit langer Zeit ein Dorn im Auge. Die Regierung will den Frevel nun eindämmen. London will künftig die Einzelhändler zu einer Gebühr von fünf Pence pro Stück (etwa sechs Cent) verpflichten, wie der stellvertretende Regierungschef Nick Clegg ankündigte. Die Reaktion der Händler reicht von Ablehnung bis zu verschämtem Applaus.

Der Einzelhandelsverband British Retail Consortium wies darauf hin, dass nur weniger als ein Prozent des Mülls in Großbritanniens von Plastiktragetaschen verursacht wird. Ein Sprecher von Tesco befand, man könne darüber diskutieren – auch wenn sich die Planungen noch in „einem sehr frühen Stadium“ befänden. Die Regierung plant die Einführung Mitte 2015 – nach der Parlamentswahl im Mai.

Die Händler lebten bisher ganz gut mit der Umweltverschmutzung. Hunderte Millionen Tüten mit dem Firmenlogo kommen auf diesem Weg jährlich bei den großen Ketten in den Umlauf. Sainsbury‘s, zweite große Supermarktkette in Großbritannien, hängt an seinen Selbstbedienungskassen die orange-roten Beutel sogar so auf, dass sich beim Abreißen sofort der nächste kundenfreundlich öffnet. An der Kasse muss der Kunde extra einen Knopf drücken, wenn er keine Tüte will. Von den kleinen „Off-License“-Märkten, einer Art größerer Tante-Emma-Laden, ganz zu schweigen: „Möchten Sie eine Tüte?“ ist dort keine ernst gemeinte Frage – sondern eine Höflichkeitsfloskel. Wer widerspricht, ist ein Feind des Hauses.

Die Warenhauskette Marks & Spencer hat in ihren Lebensmittelabteilungen bereits 2008 die Fünf-Pence-Gebühr freiwillig eingeführt. „Sie hat dazu beigetragen, dass die Benutzung von Tragetaschen um 75 Prozent zurückgegangen ist“, sagt ein Firmensprecher. Seit 2008 hat Marks & Spencer damit mehr als zwei Milliarden Tragetaschen weniger als zuvor vergeudet. Die eingespielte Gebühr von sechs Millionen Pfund (rund 7,2 Millionen Euro) hat das britische Handelsunternehmen für gemeinnützige Zwecke gespendet.

Für Umweltschützer ist die Diskussion um die Tragetaschen jedoch die um ein Feigenblatt. Großbritannien hat ein Problem mit dem Umweltschutz. Bei Müllvermeidung und Recycling steht das Königreich nicht auf einem der vorderen Plätze in Europa. Während in der BRD 45 Prozent des Hausmülls recycelt werden, sind es in Großbritannien gerade mal 25 Prozent. Die Tütengebühr ist ein kleiner Schritt, wird aber wohl nicht viel dazu beitragen, den riesigen Müllberg des Landes zu bekämpfen.

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