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Schnappt die Computer-Falle zu?

Es ist zehn Jahre alt, süß, unschuldig und ein Weltstar. Das Phantom-Mädchen Sweetie lockte viele Pädophile an. Aber ob sie je vor einen Richter kommen, ist fraglich.

Das virtuelle Mädchen "Sweetie" ist als Lockvogel für Pädophile im Netz erfunden worden - bereits 20 000 Männer wollten mit dem Phantom-Mädchen Kontakt aufnehmen.
Terres des Hommes Handout Das virtuelle Mädchen "Sweetie" ist als Lockvogel für Pädophile im Netz erfunden worden - bereits 20 000 Männer wollten mit dem Phantom-Mädchen Kontakt aufnehmen.

Sweetie ist eine Heldin. Das kleine Mädchen mit den großen traurigen Augen lockte 1000 mutmaßliche Pädophile in die Falle. Sie hatten Geld für Sex vor der Webcam geboten. Was sie nicht wussten: Sweetie war ein Computer-Modell. Die Aktion der Kinderhilfsorganisation Terre des Hommes erregte in dieser Woche weltweit Schlagzeilen, doch sie zeigte auch die Grenzen des Kampfes gegen die weltweite Kinderpornografie auf.

20 000 Männer wollten Kontakt

„Wir wollten zeigen, was im Internet geschieht“, sagt Hans Guijt von der Organisation in Den Haag. Und das ist erschreckend. Die Kinderschützer boten Sweetie auf berüchtigten Chat-Sites von Pädophilen an. In nur zwei Monaten wollten 20 000 Männer aus 71 Ländern Kontakt mit dem Phantom-Mädchen.

Sobald deutlich wurde, dass es zehn Jahre alt war und von den Philippinen kam, seien die Männer in Scharen gekommen und hätten Geld geboten, sagt Guijt. „Wir wollten wissen: was sind das für Männer, was wollen sie?“

44 Pädophile aus Deutschland identifiziert

Terre des Hommes identifizierte 1000 von ihnen, darunter 44 aus Deutschland und 20 aus den Niederlanden. Die Bilder und Gespräche wurden aufgezeichnet und Interpol übergeben. Doch Juristen zweifeln, dass das ausreicht. Das wird je nach Rechtslage in den verschiedenen Ländern anders sein.

In den Niederlanden etwa ist virtueller Kinderporno seit 2010 strafbar. Doch die Beweise von Terre des Hommes wurden nicht rechtmäßig gesammelt. Das erschwert einen Prozess. Allerdings darf die Polizei die Angaben für weitere Ermittlungen nutzen, erklärte die Staatsanwaltschaft.

Hat die Polizei die Straftat provoziert?

Die entscheidende Frage aber ist, ob überhaupt solche Lockmittel eingesetzt werden dürfen. Schließlich bringt die Polizei jemanden dazu, eine Straftat zu begehen, die er sonst vielleicht nicht begangen hätte.

Doch an die meisten Täter kommt man nicht heran, meint die europäische Polizeibehörde Europol in Den Haag. Die völlige Anonymität des Internets macht es fast unmöglich. „Es ist ein Verbrechen ohne Risiko“, sagte Troels Oerting, Chef der Abteilung Cyberverbrechen bei Europol. Pädophile können über das sogenannte Darknet von Internetdiensten und Netzwerken ihre Identität verbergen.