Zahnarzt verurteilt:

Spanner-Zahnarzt handelte skrupellos

Für die Frauen war es ein Schock, als sie im vergangenen Jahr die versteckte Kamera in ihrer Umkleide entdeckten. Jahrelang hatte ihr Chef intime Videos von ihnen aufgezeichnet. Nun hat das Amtsgericht Gera ein Urteil gesprochen.

Der Zahnarzt (r.) zusammen mit seinem Rechtsanwalt Andreas Bönisch. Der 52-jährige ist vom Amtsgericht Gera verurteilt worden.
Bodo Schackow Der Zahnarzt (r.) zusammen mit seinem Rechtsanwalt Andreas Bönisch. Der 52-jährige ist vom Amtsgericht Gera verurteilt worden.

Ein Zahnarzt aus Gera, der über Jahre heimlich seine Mitarbeiterinnen im Umkleideraum gefilmt und tausende Videoaufnahmen davon hatte, ist zu zwei Jahren und vier Monaten Haft verurteilt worden. Das Amtsgericht Gera sprach ihn in 211 Fällen schuldig – etliche weitere sind bereits verjährt. „Das Auge eines anderen hat in der Umkleide nichts zu suchen“, sagte Richter Siegfried Christ in der Urteilsbegründung. Zudem sei der 52-Jährige ziemlich skrupellos vorgegangen, ohne jedes Mitgefühl für die Opfer. Auch im Prozess sei kein Wort der Entschuldigung über seine Lippen gekommen, betonte Christ.

Im Frühjahr 2012 hatten die Frauen die heimliche Videoüberwachung zufällig entdeckt. Auf Datenträgern des Arztes konnten Ermittler knapp 7500 solcher Dateien finden oder wiederherstellen – die ältesten stammten den Angaben nach aus dem Jahr 2007. Den Schilderungen nach sind die Frauen auf den Aufnahmen in Unterwäsche oder gar nackt zu sehen. Von den angeklagten Fällen waren acht Frauen betroffen.

Ein Mann mit zwei Leidenschaften

Das Schöffengericht verurteilte den Arzt wegen unbefugten Herstellens und Gebrauchs von Bildaufnahmen. Es verwies auch auf die Folgen für die Opfer, die von Angstzuständen und Depressionen berichteten. Angesichts der Fülle der Videos und des langen Überwachungszeitraums hielt Richter Christ dem 52-Jährigen vor: „Man kommt fast zu dem Schluss, dass Sie zwei Leidenschaften hatten: die eines Zahnarztes und die – landläufig gesagt – eines Spanners.“

Er habe das Vertrauen seiner Beschäftigten arglos ausgenutzt und im Prozess die Chance einer Aussöhnung vertan, betonte Staatsanwältin Steffi Kögler in ihrem Plädoyer. Darin hatte sie am Vormittag eine Haftstrafe von drei Jahren gefordert. Ziel der intimen Videoaufnahmen könne nur eins gewesen sein, erklärte sie: „Die Befriedigung eigener sexueller Bedürfnisse.“

Opferanwalt nennt Vorgehen "perfide"

Der Angeklagte hatte im Prozess beharrlich geschwiegen. Sein Anwalt Andreas Bönisch hatte einen Freispruch beantragt. Aus seiner Sicht haben sich die Frauen rechtswidrig Zutritt zum Büro des Angeklagten und damit zu den Videodateien verschafft und dabei Hausfriedensbruch begangen. Daher dürften die dort gefundenen Dateien vor Gericht nicht verwertet werden. Dieser Auffassung folgte das Schöffengericht jedoch nicht. Opferanwalt Stephan Brandner nannte das Vorgehen des Zahnarztes und seines Anwaltes „perfide“. Auf diese Weise werde versucht, aus den Opfern Täter zu machen.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Vor einem Arbeitsgericht haben etliche Opfer schon Entschädigungen erstritten. Auch die Landeszahnärztekammer will Sanktionen prüfen – allerdings erst, wenn ein rechtskräftiges Urteil vorliegt. Unter Umständen könnte der Zahnarzt, der weiter in Gera praktiziert, seine Kassenzulassung oder gar seine Approbation verlieren. Außerdem behält sich die Anklage weitere Schritte vor. Denn in dem Richterspruch habe eine „erhebliche Anzahl“ weiterer Fälle noch nicht berücksichtigt werden können, erklärte Kögler. Die könnten Gegenstand einer weiteren Anklage sein.

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