Brandenburg als Paradies für Astronomen:

Sternengucker pilgern zu Deutschlands dunkelstem Ort

So kräftig wie in Gülpe im westlichen Havelland strahlen die Sterne an kaum einem anderen Ort in Deutschland. Dort stört nur wenig künstliches Licht. Das Dorf in Brandenburg gilt als womöglich dunkelster Ort zwischen Sylt und der Zugspitze.

Nicht nur für Astronomen sind Sternenhimmel interessant. Auch Romantiker schauen nachts gern nach oben.
Daniel Reinhardt Nicht nur für Astronomen sind Sternenhimmel interessant. Auch Romantiker schauen nachts gern nach oben.

Sternengucker versammeln sich an diesem Wochenende an Deutschlands womöglich dunkelstem Ort – in Gülpe im Naturpark Westhavelland. Das Astronomentreffen soll die Bewerbung der brandenburgischen Region als internationaler Sternenpark unterstützen.

Dieses Siegel für besonders nachtdunkle Regionen wird weltweit von der „International Dark Sky Association“ in Amerika vergeben. Naturpark-Chefin Kordula Isermann verspricht sich davon eine weitere Aufwertung des Westhavellands. „Deutschlandweit wären wir die Ersten, die als Sternenpark ausgewiesen würden.“

Mit bloßem Auge könne man von Gülpe aus die Milchstraße ohne Streulicht erkennen. Bessere Bedingungen als im Naturpark gebe es nur noch im afrikanischen Namibia oder in der Höhe Chiles, meinte der Astronom Andreas Hänel vom Planetarium Osnabrück.

Hänel hatte vor ein paar Jahren alles ins Rollen gebracht. Nach einem Tipp von Hobby-Astronomen schnappte er sich 2009 sein „Sky Quality Meter“, fuhr in den Naturpark Westhavelland und maß die Himmelshelligkeit. „Also ganz genau habe ich die Leuchtdichte ermittelt und einen Wert von 21,78 gemessen“, berichtete Hänel. Es gebe nicht viele Orte in Deutschland und Europa, die genauso dunkel sind. „Ich müsste mich vielleicht noch einmal in Mecklenburg-Vorpommern umsehen.“

Lichtverschmutzung durch künstliche Lichtquellen

Wegen der starken Besiedlung hellten viele künstliche Lichtquellen den Nachthimmel auf. „Wir sprechen hierbei sogar von Lichtverschmutzung“, erklärte der Wissenschaftler. Jedes Jahr werde der Nachthimmel heller. Deshalb seien Schutzgebiete unter dem Label „Sternenpark“ so wichtig.

Restlos dunkel ist es auch im Naturpark Westhavelland nicht. „Der Lichtkegel des 80 Kilometer entfernten Berlins zeichnet sich am Horizont ab“, erklärte Naturpark-Chefin Isermann. Auch von einem Betrieb aus dem benachbarten Arneburg in Sachsen-Anhalt dringt Licht herüber. „Wir sind aber mit dem Betreiber im Gespräch, die Auswirkungen des künstlichen Lichts zu begrenzen.“

Die Karten für den Naturpark stünden nicht schlecht, den Zuschlag als „Sternenpark“ zu bekommen. „Ende des Jahres wollen wir den Amerikanern unseren Antrag schicken“, kündigte Isermann an.

Am Wochenende wollen Isermann und Hänel auf dem dritten Astrotreffen in Gülpe den einmaligen Nachthimmel vorführen und für ein Leben ohne Lichtsmog werben. „Wir haben bereits Voranmeldungen für 40 Teleskope“, berichtete die Naturpark-Chefin. „Das sind schon jetzt doppelt so viele wie beim letzten Treffen vor einem Jahr.“

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