Atomkraftwerke:

Störfälle heizen Atom-Debatte an

Die Störfälle in den beiden Atomkraftwerken Krümmel und Brunsbüttel vom Donnerstag heizen die Debatte über den Atomausstieg in Deutschland wieder an.

Diesmal aber unter umgekehrten Vorzeichen. Statt der Vertreter längerer Kraftwerk-Laufzeiten stoßen die Ausstiegsbefürworter und Atomkraftgegner vor. Noch während am Donnerstag das Trafogebäude in Krümmel raucht und Feuerwehrleute gegen die Flammen kämpfen, fordern Politiker und Umweltschutzverbände eine lückenlose Aufklärung der Ursachen und eine Beschleunigung des Atomausstiegs. Greenpeace rückt gar mit einem Geigerzähler an, obwohl das Reaktorgebäude nicht betroffen ist. Nach Überzeugung von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) zeigen die Zwischenfälle, dass der Atomausstieg aus Sicherheitsgründen notwendig ist.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) fordert gar, "beide Pannenreaktoren umgehend stillzulegen". "Diese Störfälle zeigen: Die Atomtechnologie ist zu gefährlich. Es besteht das permanente Risiko eines schwerwiegenden Unfalls, verbunden mit dem Austritt von Radioaktivität", sagt BUND-Bundesgeschäftsführer Gerhard Timm. Die Grünen-Europaabgeordnete Rebecca Harms bezeichnet Krümmel in "Spiegel Online" als einen der Reaktoren, "für die es gute Gründe gibt, sie stillzulegen". Auch Schleswig-Holsteins Innenminister Ralf Stegner (SPD) fordert, strikt am beschlossenen Atomausstieg festzuhalten. Andere halten mit Mühe dagegen. Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Dietrich Austermann (CDU) betont: "Es gibt keinen Anlass, die Nutzung der Kernenergie jetzt neu zu bewerten.

Deutsche Kraftwerke sind sicher." Der CDU-Landtagsabgeordnete Manfred Ritzek weist darauf hin, dass die Schnellabschaltungen funktioniert haben. "Deshalb ist der Versuch einiger Politiker, mit diesen Ereignissen Ängste zu schüren, unverantwortlich." Die Betreiber der Kraftwerke gaben sich bei Bekanntwerden der Störfälle alle Mühe, die Sicherheit ihrer Anlagen zu betonen. Zunächst sagte der Sprecher von Vattenfall Europe, Ivo Banek, es gebe überhaupt keine Auswirkungen auf das Stromnetz, und die beiden rund zwei Stunden auseinander liegenden Vorfälle stünden in keinem Zusammenhang. Etwas später wurde das Gegenteil deutlich: Die Spannungsschwankungen führten zu etwa 800 Ampelausfällen in Hamburg.

Außerdem wurde in der Hansestadt kurz der U-Bahn-Verkehr unterbrochen. Banek schließt am Morgen dann auch nicht mehr aus, dass es einen Zusammenhang zwischen den beiden Abschaltungen gibt. "Wir gehen allen Überlegungen nach", sagt auch der Sprecher des zuständigen Kieler Sozialministeriums, Oliver Breuer. Sachverständige warten darauf, das ausgebrannte Gebäude betreten zu können. Die Staatsanwaltschaft Lübeck nimmt Vorermittlungen wegen des Brandes in Krümmel auf. Grünen-Fraktionschefin Renate Künast sagt im Fernsehsender N24, Vattenfall sei "ein bisschen auch ein Chaos-Betreiber". In Brunsbüttel und Brokdorf an der Elbe betreibe das Unternehmen gemeinsam mit E.ON die ältesten Siedewasserreaktoren.

"Die bringen es zusammen auf über 900 meldepflichtige Störfälle. Also, schön ist das alles nicht. Und ich bin dankbar um jeden Tag, an dem das früher abgestellt wird." Für die Energiewirtschaft und Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) kommen die Ereignisse zur Unzeit. In den vergangenen Monaten hatten sie ihren Druck erhöht, den Atomkonsens zu überdenken und angesichts des Klimawandels die Laufzeiten zumindest der jüngeren deutschen Reaktoren zu verlängern. Nun haben die Gegner der Atomenergie weitere Argumente. Der BUND fordert Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf, beim Energiegipfel am Dienstag den Vertretern der Energieindustrie klarzumachen, dass es keine längeren Laufzeiten für Atomkraftwerke gibt.

 

Nordkurier: Samsung Galaxy Tablet ohne Anzahlung