Befreite Frauen:

Von der Maoisten-Kommune zur Sklaven-Familie

Im London der 1970er Jahre tummelten sich wilde Gruppierungen aus aller Welt – meist mit extrem linken Ansichten. Auf diesem Nährboden wuchs offenbar der Fall von Sklaverei. Drei ehemalige Kommunardinnen wurden über 30 Jahre lang zu einer Art Leibeigenen.

In diesem Haus im südlichen London wurden die drei Frauen aus den Fängen von „Kamerad Bala“ befreit.
Facundo Arrizabalaga In diesem Haus im südlichen London wurden die drei Frauen aus den Fängen von „Kamerad Bala“ befreit.

Es war ein bisschen wie bei Monty Python, wo sich die „Judäische Volksfront“ mit der „Volksfront von Judäa“ kabbelte – Splittergruppen der extremen Linken hingen in sektenähnlichen Gemeinschaften ihren obskuren Gedanken nach. Das London der 1970er Jahre war ein Anziehungspunkt für Tausende dieser linker Gruppierungen mit Mitgliedern aus aller Welt, die in Kommunen zusammenlebten.

Der politische Fanatismus einer Maoisten-Gruppe mündete in eine 30-jährige Tortur für drei Frauen, die erst vor wenigen Tagen aus ihrem Sklavinnen-Dasein befreit wurden. Mit ihren Peinigern hätten sie zunächst „eine gemeinsame politische Ideologie“ geteilt, teilte die Polizei mit.

Aus Abhängigkeit wurde Leid

Das Leben der drei Frauen glich nach allem, was bisher tröpfchenweise bekannt wurde, einer bizarren Achterbahnfahrt. Am Anfang stand die Bewunderung für die politische Sicht des „Kameraden Bala“ – wie der heute 73-jährige Tatverdächtige in dem Fall von moderner Sklaverei in der Szene genannt wurde. Dann muss daraus Abhängigkeit und schließlich ein nicht enden wollendes Leid geworden sein. „Sie entwickeln Rituale, gemeinsames Zusammenleben ist eines davon“, sagte der Londoner Professor Dennis Tourish über die Eigenheiten maoistischer Gruppen. „Die Leute ordnen sich voll und ganz mit ihrem ganzen Hab und Gut und auf eine Art auch mit ihren Seelen den Zielen der Gruppe unter.“

Kommunismus war ihnen zu wenig links

„Kamerad Bala“ und seine ebenfalls tatverdächtige Frau Chanda waren in den 1960er Jahren aus Indien und Tansania nach London gekommen. Sie schlossen sich dem marxistisch-leninistischen Flügel der Kommunistischen Partei Englands an. Doch das war ihnen nicht links genug. „Kamerad Bala“ bezichtigte nicht nur den britischen Staat des Faschismus, er beschimpfte auch seine Parteifreunde bei den Kommunisten als Faschisten. Das war den Marxisten und Leninisten dann doch zu viel. 1974 warfen sie ihn aus der Partei. Der Rotfront-Aktivist machte sich dann mit einer Gruppe von rund 25 Gleichgesinnten sozusagen selbstständig und gründete ein maoistisches Zentrum im Süden Londons.

Seit dem Bekanntwerden des Falles von Sklaverei rücken in dem außergewöhnlichen Fall auch die Behörden ins Licht der Öffentlichkeit. Bereits vor 15 Jahren hatte ein Nachbar das Jugendamt darauf aufmerksam gemacht, dass die heute 30 Jahre alte Britin keine Schule besuche – nichts passierte. Auch die in Großbritannien obligatorischen Hausbesuche von Hebammen und Sozialarbeitern blieben offenbar aus.

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