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Wahrsager zeigen auch 2013 ziemlich wenig Durchblick

Für Hellseher gehören Terroranschläge, Naturkatastrophen und Rücktritte zum Standard-Programm. Laut Kritikern lagen die Astrologen aber auch im zu Ende gehenden Jahr so gut wie immer daneben.

Eine Wahrsagerin an ihrem Orakel-Pendelbrett.
Waltraud Grubitzsch Eine Wahrsagerin an ihrem Orakel-Pendelbrett.

Die FDP fliegt aus dem Bundestag, der Papst tritt zurück: Wahrsager haben diese Ereignisse für 2013 nicht vorhergesehen. „Sie versagten mit ihren Prognosen auf ganzer Linie“, meint die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) in Roßdorf bei Darmstadt. Den Rücktritt von Benedikt XVI. etwa habe kein Wahrsager auf dem Schirm gehabt. Ausgewertet worden seien mehr als 100 Texte mit gut 400 Prognosen.

Den kritischen GWUP-Verein gibt es seit 1987. Laut Martin Mahner von der Geschäftsstelle machen rund 1300 Wissenschaftler und fachlich Interessierte aus verschiedenen Richtungen mit. Sie nennen sich Skeptiker. Die Wahrsager-Bilanz gibt es seit den 90er Jahren.

Vorhersagen blieben wie immer vage, genaue Angaben über Ort und Zeit würden gern vermieden. „Wenn tatsächlich genauere Daten genannt wurden, dann erwiesen sich diese als falsch“, erläutert der Bilanzierer Michael Kunkel. Auch bei der Bundestagswahl habe sich die Augurenzunft weitgehend blamiert: Einige sahen demnach die FDP im Bundestag oder prophezeiten der Linkspartei einen Erfolg.

Kritik vom Astrologen-Verband

Der Deutsche Astrologen-Verband (DAV) steht der GWUP natürlich kritisch gegenüber. „Es gibt mehr als eine Wahrheit“, sagt die Vorsitzende Helen Fritsch. „Astrologie ist nicht geeignet, sich statistisch untersuchen zu lassen. Jedes Horoskop wird individuell gedeutet.“

Natürlich geht laut GWUP nicht immer alles daneben. „Wenn man sehr viele Prognosen formuliert, dann sind einzelne Treffer praktisch unvermeidlich“, sagt Mathematiker Kunkel. So habe die Wiener Hellseherin Rosalinde Haller tatsächlich die Entmachtung von Ägyptens Präsident Mohammed Mursi vorhergesehen.

Die Vorgehensweise hat nach Ansicht der Skeptiker aber immer dasselbe Strickmuster. „Was im Bewusstsein der Menschen drin ist, das wird auch vorhergesagt.“ Seit Tsunamis und Atomkatastrophen geschenen seien, gehöre das Vorhersagen solcher Schrecken zum festen Programm der Auguren. Die Möglichkeit eines Papstrücktritts ging dagegen bislang gegen null – bis Benedikt XVI. als erster Papst der Neuzeit im Februar das Amt aufgab. „Dieser Rücktritt war bei den Prognosen nicht dabei“, sagt Kunkel.

Und was kommt 2014? Die Skeptiker von der GWUP wissen es bereits: „Die üblichen Warnungen vor Börsen- und Naturkatastrophen sowie die ein oder andere Prognose zur Fußball-WM.“