Kinderpornoring in Kanada aufgeflogen:

Waren auch deutsche Kinder unter den Opfern?

Im großen Stil soll ein 42-Jähriger aus Toronto Kinderpornos in die ganze Welt verkauft haben, auch nach Deutschland. Fast 400 junge Opfer sind identifiziert - es könnten aber noch mehr sein.

In 50 Länder wurden die Kinderpornos verkauft.
Jan-Philipp Strobel In 50 Länder wurden die Kinderpornos verkauft.

Sie arbeiten als Lehrer, Ärzte, Priester, Polizisten, Hockeytrainer oder Journalisten. Sie leben in Mexiko, Australien, Südafrika, Spanien oder Deutschland. Und sie alle haben eine dunkle Verbindung zu einem Mann in der ostkanadischen Metropole Toronto. Der 42-Jährige soll seinen mehr als 300 Kunden in rund 50 Ländern Videos mit Kinderpornografie verkauft haben. Getarnt als naturalistisch-künstlerische Experimentalfilme soll er auf seiner Website Videos mit nackten Jungen angeboten haben - vom Kleinkind bis zum Teenager.

Viele Kinder sind für die Filme missbraucht worden, da ist sich die Polizei in Toronto sicher. Schon im Mai 2011 sei der 42-Jährige festgenommen worden, teilte sie am Donnerstag (Ortszeit) mit. Seitdem wird sein Fall untersucht. Bislang konnten rund 386 Kinder als Opfer identifiziert werden, 341 Verdächtige wurden festgenommen.

Videos in die Bundesrepublik verkauft

Die Aufnahmen sollen unter anderem in Pfadfinderlagern und auf eigens veranstalteten Kindersex-Touren entstanden sein. Schon jetzt ist es kanadischen Medienberichten zufolge der größte jemals aufgedeckte Kinderpornoring in dem nordamerikanischen Land - und die Zahlen könnten noch deutlich steigen.

Auch nach Deutschland führen Spuren: Videos sollen hier gekauft worden sein und auch deutsche Kinder sollen unter den Opfern sein. Der Vorgang sei bekannt, sagte am Freitag ein Sprecher der hessischen Generalstaatsanwalt. Nähere Informationen gab es von den deutschen Behörden jedoch zunächst nicht.

Beim Kaffee-Holen festgenommen

Der 42-jährige mutmaßliche Chef des Kinderpornorings sei ein unscheinbarer Mann, berichtet die Zeitung "Toronto Star", die die Operation "Spade" (Spaten) genannten Ermittlungen der Polizei mehr als ein Jahr lang begleitete: gepflegte Haare, ein kleiner Spitzbart, Jeans und Pulli. Seinem Briefträger habe er zu Weihnachten eine Flasche Wein geschenkt. Jeden Morgen sei er zu seinem unauffälligen Büro an einer großen Straße im Westen Torontos aufgebrochen, auf dem Weg habe er sich noch einen Kaffee und einen Bagel geholt. Auf einem dieser Kaffee-Stopps sei er schließlich festgenommen worden.

Vier Millionen mit Internet-Seite eingenommen

Da hatte der 42-Jährige schon eine ausgeklügelte Website aufgebaut. Wie bei großen Online-Versandhändlern gab es Besprechungen von Filmen, Bestseller-Listen, Downloads, Kreditkartenbezahlung - und das nach Ansicht der Polizei falsche Versprechen, dass keiner der Filme gegen kanadisches oder US-amerikanisches Recht verstoße. Mehr als drei Millionen Menschen besuchten 2010 die Website. Ganze Lastwagenladungen von Videos verließen Medienberichten zufolge das Haus des 42-Jährigen. Mehr als vier Millionen Dollar (etwa 2,9 Millionen Euro) Umsatz habe der Webauftritt gebracht, teilte die Polizei mit.

Monatelang versuchten die Beamten, an Beweismaterial zu kommen, doch der mutmaßliche Täter war vorsichtig. Dutzende Bestellungen habe er aus Angst vor Undercover-Ermittlungen abgelehnt, berichtete der "Toronto Star". Aber schließlich gelang es den Ermittlern zehn Videos zu kaufen, von denen die Hälfte klar gegen kanadisches Recht verstoßen habe - genug für eine Festnahme. In elf Punkten ist er nun angeklagt, darunter Besitz, Import und Export von Kinderpornografie. Wann ein Urteil fallen kann, ist noch unklar.

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