Sammel-Leidenschaft:

Warum ein 41-Jähriger immer noch an DDR-Spielzeug hängt

Pittiplatsch oder Minol-Pirol – einst lieb gewonnene Dinge wecken Erinnerungen an die Kindheit. Ein Blick in die größte private Sammlung mit Raritäten aus der DDR.

Für Eric Palitzsch hat die Kindheit kein Ende. Er sammelt mit Leidenschaft Spielsachen aus der DDR.
Ralf Hirschberger Für Eric Palitzsch hat die Kindheit kein Ende. Er sammelt mit Leidenschaft Spielsachen aus der DDR.

Ob Pittiplatsch oder Puppenstube: Wenn Eric Palitzsch seine Schätze öffentlich präsentiert, hört er einen Satz besonders oft: „Das hatte ich auch.“ Der jugendlich wirkende 41-Jährige mit dem sächsischem Dialekt sammelt DDR-Spielzeug. 4000 Objekte aus der Zeit zwischen 1949 und 1990 sind es seinen Angaben zufolge. Sie füllen ein Lager außerhalb seiner Wohnung in Rabenau bei Dresden. Museen in Meißen und Nürnberg zeigen nun 25 Jahre nach dem Mauerfall fast parallel eine Reihe der Exponate.

Waschmaschinen, Staubsauger und Mixer für den Puppenhaushalt, Schiffe, Raketen und Dampfmaschinen. „Die Zahl ist nicht relevant“, sagt der gelernte Elektriker und Industriemechaniker, der als kaufmännischer Angestellter arbeitet, über seine Sammlung. Der Querschnitt sei ihm wichtig, um die breite Palette der Spielzeugproduktion in der DDR zu zeigen.

Palitzsch verweist auf Gebrauchsspuren an den zahlreichen Exponaten „Made in GDR“. Jedes Spielzeug erzählt eine Geschichte. Zudem interessieren ihn Originalverpackungen, Spielanleitungen, Kassenzettel, Garantie- und Reparaturscheine oder Werbekataloge, um den Zeitgeist zu dokumentieren. Dazu zählt auch die Information, dass der volkseigene Betrieb Deutsche Wertpapier-Druckerei Leipzig mit der „Kleinen Kindersparkasse“ Spielgeld in Umlauf brachte, das in zahlreichen Kaufmannsläden zum Einsatz gekommen sein dürfte.

DDR-Spielzeug war im Ausland sehr beliebt

Gerade aus wirtschaftshistorischer Sicht ist die Sammlung des Rabenauers interessant, schätzt die Leiterin des Spielzeugmuseums in Nürnberg, Karin Falkenberg, ein. Ihr Haus eröffnet Freitag eine Ausstellung unter dem Titel „Made in GDR“, die auch den Export von DDR-Spielzeug beleuchtet. Wegen seiner günstigen Preise war es im nichtsozialistischen Ausland sehr beliebt. „Wir haben einiges im Bestand, doch das ist kein Vergleich zu dem, was Herr Palitzsch zusammengetragen hat“, räumt Falkenberg ein.

Schon als 15-Jähriger hatte Palitzsch mit dem Sammeln begonnen. In seiner Familie mit fünf Kindern war es üblich, Spielsachen an die Geschwister weiterzureichen. Als Zweitältester bewahrte Eric auf, was die jüngeren Brüder nach der Wende links liegen ließen. Später übernahm er alte Stücke, die Kindergärten oder Bekannte entsorgten. Er entrümpelte Dachböden und suchte nach Ersatzteilen, um kaputte Raritäten zu reparieren.

Nach wie vor fährt Palitzsch kilometerweit auf Flohmärkte. Es sei aber schwieriger geworden, schöne Stücke zu finden, gesteht der Sammler. Wichtigste Fundgrube ist für Palitzsch längst das Internet. Auch wenn sich die Leidenschaft des Sachsen mittlerweile bundesweit herumgesprochen hat und er als Leihgeber gefragt ist, bleibt ein Wunsch: „Mein größter Traum ist eine dauerhafte Ausstellung.“

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Weiter Informationen und News finden Sie auf der DDR Spielzeug Homepage von Eric Palitzsch: http://www.ddr-spielzeug.com oder auf der Facebookseite @ddrspielzeug