Jugendlicher Partyspaß:

Wenn die Kindheitserinnerung mit Suff kombiniert wird

Sie machten Kindergeburtstage in den 90ern noch ein bisschen bunter: Gesellschaftsspiele wie „Looping Louie“ und „Kroko Doc“. Nun stürmen sie Studentenfeiern – ihre alten Fans trinken dazu mittlerweile harten Alkohol statt roter Brause.

Die Spielfigur aus dem Kinderspiel „Looping Louie“ ist immer öfter zur allgemeinen Erheiterung in Studenten-WGs anzutreffen, allerdings als Trinkspiel.
Steffen Trumpf Die Spielfigur aus dem Kinderspiel „Looping Louie“ ist immer öfter zur allgemeinen Erheiterung in Studenten-WGs anzutreffen, allerdings als Trinkspiel.

Der Student Raphael sitzt mit Freunden nach der letzten Vorlesung der Woche in einer Wohngemeinschaft in Münster zusammen. Am späten Abend wollen die Hochschüler nach der WG-Feier noch weiter in Richtung Kneipe ziehen. Um sich auf den Feierabend vorzubereiten, hat Gastgeber Raphael vorgesorgt: Er packt neben einer Flasche Schnaps ein Spiel aus, das eigentlich für Kinder entwickelt wurde: „Looping Louie“. Das Gedränge um das knallbunte Spiel mit dem kleinen Plastikkran ist riesig, der Alkohol schnell leer.

Diese Szene wird bundesweit in Unistädten wie Göttingen, Marburg oder Tübingen ihr Pendant finden. Ursprünglich für Kinder konzipierte Gesellschaftsspiele wie „Kroko Doc“ oder „Plitsch-Platsch Pinguin“ boomen unter Studenten – auch weil sie mit leichten Regeländerungen schnell zum Trinkspiel umfunktioniert werden können. Überall werden nun Hühnerfarmen gegen Bruchpilot „Looping Louie“ verteidigt oder Plastik-Krokodilen Zähne gezogen.

Kindergeburtstag wird wieder modern

„Die alten Kinderspiele haben in unserer Generation einen gewissen ironischen Kultstatus bekommen“, sagt die 20 Jahre alte Hochschülerin Malina Hasler. An der Uni Bremen studiert sie Angewandte Freizeitwissenschaft. Gemeinsam mit einigen Kommilitonen hat Hasler den studentischen Hang zu einfachen Kinderspielen unter die Lupe genommen. Hasler und ihre Mitstudenten sind sich sicher: Dinge, die man als Kind liebte, werden im Teenageralter „uncool“ – als junger Erwachsener aber plötzlich wieder interessant.

Die nostalgische Erinnerung an die Kindheit ist ein Grund für den Boom der Kinderspiele, sagen Spielehersteller. „Bei „Plitsch-Platsch Pinguin“ zum Beispiel können Erwachsene wieder in die Rolle des Kindes schlüpfen“, sagt die Sprecherin von Ravensburger, Katrin Hanger.

Jörg Mutz vom Pressebüro des Spieleherstellers Hasbro beobachtet den Trend zu Gesellschaftsspielen unter Studenten seit gut fünf Jahren – besonders bei „Looping Louie“, das zu den bestverkauften Produkten von Hasbro zählt. Neben einer simplen Spielidee und schnellem Tempo eint die Spiele vor allem eines, sagt Studentin Hasler: Sie eignen sich durch ihre leicht abwandelbaren Regeln hervorragend als Trinkspiele. Kinderspiele – genau das richtige Maß an Herausforderung für Feiern unter Alkoholeinfluss.

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