Rettung aus der Antarktis:

Wer bezahlt die teure Aktion?

Die Teilnehmer der Expedition saßen zwar im Eis fest, unterhielten aber die Welt über Weihnachten und Neujahr mit ihren Gute-Laune-Videos. Für die Besatzung der zur Hilfe geeilten Eisbrecher war der Einsatz kein Spaß – und teuer obendrein.

Obwohl sie tagelang im Eis festsaßen, hatten die Teilnehmer der Expedition gut lachen. Das wird allerdings demjenigen vergehen, der die Kosten für die Rettungsaktion tragen muss. Diese sollen mehrere Millionen Dollar betragen.
Andrew Peacock Obwohl sie tagelang im Eis festsaßen, hatten die Teilnehmer der Expedition gut lachen. Das wird allerdings demjenigen vergehen, der die Kosten für die Rettungsaktion tragen muss. Diese sollen mehrere Millionen Dollar betragen.

Aufgekratzt wie Kinder auf einer Klassenfahrt gingen die Wissenschaftler und Touristen der Antarktisexpedition am Donnerstag von Bord zum Helikopter. Nach neun Tagen im Eis konnten sie das eingeschlossene Forschungsschiff „MV Akademik Shokalskiy“ verlassen. Jetzt kommen die Fragen: Wer zahlt für die Rettung? War der Ausflug nötig, gar fahrlässig? Australische Medien schätzen die Kosten für die Rettung auf mehrere Millionen Dollar. Kosten für Such- und Rettungsaktionen werden laut der australischen Seesicherheitsbehörde zwar getragen.

Eisbrecher kostet 40 000 Euro täglich

Das dürfte aber nicht Forderungen der Eigner der Eisbrecher einschließen. Das Internationale Übereinkommen zum Schutz menschlichen Lebens auf See (Solas) verpflichtet Schiffe auf hoher See, auf Notrufe umgehend zu reagieren. Drei Eisbrecher hatten seit Heiligabend ihren Kurs geändert, um zur Hilfe zu eilen. Das französische Schiff drehte nach drei Tagen wegen der aussichtslosen Lage ab, die Eisbrecher „Snow Dragon“ aus China und die „Aurora Australis“ aus Australien kämpften sich weiter. Allein die „Aurora“ schlägt nach Medienberichten mit fast 40  000 Euro Kosten zu Buche – pro Tag.

Wichtige Arbeitseinsätze wurden abgebrochen

Die „Aurora“ war dabei, Nachschub und wissenschaftliche Geräte an der australischen Antarktisstation Casey auszuladen, sagte einer der Wissenschaftler an der Station, Joe McConnell: „Die kurz- und langfristigen Folgen für das australische Forschungsprogramm sind enorm, und das dürfte für das französische und chinesische Programm auch gelten, weil ihre Eisbrecher umgeleitet wurden.“ Forscher könnten ihre teils jahrelang vorbereiteten Projekte nicht fortsetzen, weil ihr Material noch an Bord der „Aurora“ sei. Allerdings war die „Sholaksiy“ selbst auf wissenschaftlicher Mission unterwegs. Klimaforscher Chris Turney wollte Eisveränderungen in der Antarktis über einen langen Zeitraum dokumentieren. Dass zahlende Touristen an Bord waren, ändere nichts an der Situation. „Die Wetterverhältnisse sind eben unberechenbar“, twitterte Expeditionsleiter Turney.

Mit dem Hubschrauber aus dem Eis geflogen

Manche Eisbrecher haben Hubschrauber an Bord, mit denen im Notfall Menschen von im Eis steckenden Schiffen befreit werden können. Nachdem der Hubschrauber auf dem Eis gelandet ist, steigen die Passagiere ein und werden zu dem Eisbrecher geflogen.

Im Fall der in der Antarktis eingeschlossenen Passagiere flog ein Hubschrauber sie gut 20 Kilometer weit und setzte sie auf einer Eisscholle in der Nähe eines Eisbrechers ab. Von dort kletterten sie an Bord.

Solange ein im Eis steckendes Schiff nicht befreit wurde, muss ein Teil der Besatzung an Bord bleiben. Im Fall der „Shokalskiy“ betrifft das zunächst alle Besatzungsmitglieder.

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