:

Wie frauenfeindlich sind Kinofilme?

Wer in Schweden ins Kino geht, dem zeigt ein Stempel an, ob ein Film geschlechtergerecht ist. Die Kriterien sind einfach. Trotzdem fallen Meilensteine der Filmgeschichte durch.

Das ist das Gütesiegel für geschlechtergerechte Filme.
Julia Wäschenbach Das ist das Gütesiegel für geschlechtergerechte Filme.

Was haben die Hollywood-Filme „Fluch der Karibik“, „Mission Impossible“ und „Die Bourne Identität“ gemeinsam? In keinem von ihnen unterhalten sich zwei namentlich genannte Frauen über etwas Anderes als Männer. Auf diese Tatsache machen seit Oktober vier unabhängige schwedische Kinos aufmerksam – mit einer neuen Wertung nach Geschlechtergerechtigkeit. Ihr Gütesiegel „A“ bekommen die Filme nur, wenn das einfach anmutende Kriterium erfüllt ist. Das kann doch nicht so schwer sein, oder? Doch!

Es trifft zum Beispiel nicht auf den im Oktober in Europa angelaufenen Hollywoodfilm „Der Butler“ mit Forest Whitaker zu. Auch kein „A“ bekommen etwa „The Dark Knight“ oder „Social Network“. Die alten „Star Wars“-Filme und die gesamte „Herr der Ringe“-Trilogie fallen durch. Sechs der acht „Harry Potter“-Filme bestehen den Test dagegen laut der Chefin des Stockholmer Kinos „Bio Rio“, Ellen Tejle.

Schweden ist mal wieder Vorreiter

Das Verfahren, das Kinos in Stockholm, Göteborg, Malmö und Helsingborg übernommen haben, basiert auf dem sogenannten Bechdel-Test der US-amerikanischen Comiczeichnerin Alison Bechdel. Sie hatte sich die Bewertung 1985 in einem Comicstrip ausgedacht. Darin sieht sich eine Frau nur Kinofilme an, in denen zwei Frauen ein Gespräch führen. Das darf sich aber nicht nur um Männer drehen. In „Black Swan“ und „Die Tribute von Panem – The Hunger Games“ ist das der Fall. In „Zurück in die Zukunft“, „Gladiator“ und „Avatar – Aufbruch nach Pandora“ nicht.

Mit ihrem Konzept sind die Schweden international mal wieder Vorreiter – sonst gibt es das Siegel laut Tejle bislang nirgendwo. „Aber hoffentlich werden es jetzt mehr nutzen!“, sagt sie. Laut der schwedischen Initiative in Kooperation mit der Organisation Women in Film and Television soll der Test Aufmerksamkeit auf die Rolle von Frauen in Filmen lenken.

Auch ein Kinderfilm fällt durch

Doch die Kinos fangen sich mit ihrer neuen Methode auch Kritik ein. „Kultur lässt sich nicht mit einem Etikett versehen“, schrieb der Filmkritiker der schwedischen Tageszeitung „Svenska Dagbladet“, Hynek Pallas. Dass nur erstaunlich wenige Filme den Test bestünden, sei zwar ein Augenöffner. „Aber wenn man als Nicht-Eingeweihter ein großes „A“ in einer Kinoanzeige sieht, ist es leicht, dass als Qualitätsstempel misszuverstehen.“ Genau das soll der Bechdel-Test jedoch nicht sein, sagt Kinochefin Tejle. „Er misst eben nur, ob sich zwei Frauen über etwas Anderes als Männer unterhalten.“ Ungerechtigkeit kommt jedenfalls nicht nur in Actionfilmen oder Horrorfilmen vor. Auch der schwedische Kinderfilm „Die Brüder Löwenherz“ besteht den Test nicht.