Kampf gegen Depressionen:

Wie Teresa Enke heute mit dem Verlust ihres Mannes lebt

Vor fast sieben Jahren nahm sich Fußball-Nationaltorwart Robert Enke das Leben. Seine Frau suchte relativ schnell einen Neuanfang, auch der Tochter wegen. Aber es gibt Fragen, die überdauern die Zeit.

Teresa Enke verlor im November 2009 ihren Mann. Er hatte aufgrund einer Depression Selbstmord begangen. Heute engagiert sie sich im Kampf gegen die Krankheit.
Julian Stratenschulte Teresa Enke verlor im November 2009 ihren Mann. Er hatte aufgrund einer Depression Selbstmord begangen. Heute engagiert sie sich im Kampf gegen die Krankheit.

Teresa Enke erinnert sich an den 11. November 2009, das war nur einen Tag nach dem Tod ihres Mannes – dem Fußball-Nationaltorwart Robert Enke. An diesem 11. November sprach sie vor der Presse über die Depression ihres Mannes – und bekam dafür großen Respekt von vielen Menschen. „Das war Intuition“, sagt sie nun am Freitag in Aachen. Sie habe über das sprechen wollen, über das ihr Mann aus Angst und Furcht nicht sprechen konnte.

Die dunkel gekleidete zierliche Frau sagt das bei einem Kongress von Telefonseelsorgern, bei dem es um Suizidprävention geht. Teresa Enke spricht darüber, wie sie mit dem Verlust ihres Mannes weiterlebt. Er nahm sich damals das Leben. Viele Angehörige von Menschen, die sich selbst umgebracht haben, schämen sich, wie der Organisator des Kongresses, Frank Ertel, zu Beginn des Kongresses gesagt hatte.

Vorwürfe macht sich Teresa Enke bis heute

Nicht Scham, sondern Schuld ist für die Teresa Enke ein Thema. „Das bleibt nicht aus“, antwortet sie auf der Bühne im Gespräch mit dem Sportpsychiater Professor Frank Schneider. Schneider hat das 2013 erschienene Ratgeber-Buch „Depressionen im Sport“ geschrieben. Beide sitzen auf dem Sofa und sprechen miteinander, fast sieben Jahre danach.

Das damalige Ausmaß der Trauer um den Fußball-Profi, der 32 Jahre alt wurde, gilt als einmalig in der deutschen Sport-Geschichte. Rund 40  000 Menschen hatten bei der Trauerfeier im Stadion Hannover Abschied genommen.

Teresa Enke fragt sich, ob sie alles richtig gemacht hat, damals als ihr Mann so krank war. „Die Vorwürfe bleiben: Man denkt, hätte man etwas anders machen können?“ Und, wie würde sie heute auf die Depression ihres Mannes reagieren? Sie habe immer noch Schwierigkeiten, sich „in eine Depression hinein zu fühlen“ – wie sie es ausdrückt: Wenn der Mensch wie gelähmt ist, schon morgens nicht aufstehen will und gar keine Lebensfreude mehr hat.

Ihre Tochter soll glücklich aufwachsen

Ihre persönliche Bilanz klingt ehrlich: „Ich konnte Robert leider nicht retten.“ Die Stimme ist stabil. Sie sei auch mal wütend auf ihren Mann gewesen und habe gedacht: „Du hast dich einfach weggemacht und mich hier in diesem Chaos allein gelassen. Aber er war krank.“

Sie hat einen Neuanfang gesucht, geguckt, was sie Positives daraus machen kann: „Ich habe eine Tochter, die soll glücklich aufwachsen.“ Sie gründete die Robert-Enke-Stiftung zur Aufklärung, Erforschung und Behandlung von Depression sowie von Kinderherzkrankheiten. 2006 war die herzkranke Tochter der Enkes im Alter von nur zwei Jahren gestorben. „Ich bin nicht allein. Da gibt es so viele Menschen, die sich engagieren“, sagt Enke.

Der Verlust ihres Mannes werde sie immer begleiten, bis in den Tod. Die Zeit erweist sich offenbar als gnädige Begleiterin: „Es wird besser. Es wird wieder gut“, sagt Teresa Enke.

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