Wetter:

Wird Weihnachten weiß oder grün?

Schneeschieber, Weichenheizungen, Enteisungsmaschinen stehen bereit. Der Winter kann kommen. Ob er viel oder wenig Schnee, sibirische Kälte oder gar nur Regen bringt, ob Weihnachten grün oder weiß wird – das steht noch in den Sternen.

Ob sich Deutschland in diesem Jahr mal wieder in ein Winterwunderland verwandeln wird, lässt sich noch nicht vorhersagen. Fotos: Karl-Josef Hildenbrand/Felix Hörhager
Karl-Josef Hildenbrand Ob sich Deutschland in diesem Jahr mal wieder in ein Winterwunderland verwandeln wird, lässt sich noch nicht vorhersagen. Fotos: Karl-Josef Hildenbrand/Felix Hörhager

Glitzernd weiße Landschaft, blauer Himmel, klare, kalte Luft – so sieht Bilderbuch-Winterwetter aus. Aber wie wird es diesmal? Die letzten Novembertage haben erstmal nass-kaltes Schmuddelwetter und ein bisschen Raureif nach Deutschland gebracht, und auch mit dem Beginn des meteorologischen Winters 2013/14 am gestrigen Sonntag soll sich daran nicht viel ändern. Während der Winter im Kalender erst Ende Dezember beginnt, rechnen die Meteorologen in vollen Monaten – für sie ist von Anfang Dezember bis Ende Februar Winter.

Ob dieser Winter kalt wird und ob es zu Weihnachten schneit, lässt sich nicht vorhersagen. „Das Wetter ist einfach zu chaotisch – noch ist alles möglich“, sagt Meteorologe Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach. Höchstens zehn Tage im Voraus gibt es eine Prognose – für die ersten fünf Tage ist sie relativ präzise, danach nimmt die Trefferquote immer mehr ab. Für das Weihnachtswetter kann es deshalb noch keine Vorhersagen geben, geschweige denn für den ganzen Winter. „Früher war mehr Schnee“, meinen viele. Irrtum, sagt DWD-Experte Friedrich: Nach Auswertung der vergangenen 50 bis 60 Jahre habe sich an der Weihnachts-Schneewahrscheinlichkeit nichts geändert. Nur in den Alpen liegt an den Feiertagen verlässlich Schnee (Wahrscheinlichkeit 100 Prozent), im Bayerischen Wald beträgt die Wahrscheinlichkeit immerhin noch 90 Prozent, aber schon in München nur noch 40 Prozent, in Berlin 20 Prozent und entlang der Küsten und am Rhein nur noch zehn Prozent. Zuletzt gab es 2010 in ganz Deutschland weiße Weihnachten. Damals lag Berlin sogar unter einer bis zu 38 Zentimeter dicken Schneedecke.

Viel häufiger als weiße Weihnachten sei das sogenannte Weihnachtstauwetter, sagt Friedrich. Dann liegt um die Feiertage ein Tiefdruckgebiet über dem Nordmeer zwischen Island und Skandinavien und sorgt für eine westliche Strömung mit feucht-milder Luft. Schon gefallener Schnee taut wieder weg. In 70 Prozent der Jahre ist mit einer solchen Wetterlage zu Weihnachten zu rechnen. Über den Winter sagt das Weihnachtswetter noch gar nichts: „Weihnachten sind nur drei Tage von 90 Tagen Winter“, sagt Friedrich.

So vielfältig und regional unterschiedlich wie Weihnachten verläuft auch der Winter in Deutschland. Der kälteste der vergangenen zehn Jahre war nach den Aufzeichnungen des DWD der Winter 2009/10 – damals lag die Durchschnittstemperatur der drei Wintermonate 1,5 Grad unter dem langjährigen Mittel der Jahre 1961 – 1990. Ungewöhnlich viel Schnee gab es damals auch, an der Ostsee türmten sich meterhohe Schneewehen, Berlin lag fast zwei Monate unter einer geschlossenen Schneedecke. Etwas zu kalt war es auch 2010/11, 2008/09 und 2005/06.

Deutlicher sind aber die Abweichungen nach oben: Der Winter 2006/07 steht mit einer Abweichung um 4,2 Grad als wärmster Winter seit Beginn der Aufzeichnungen 1881 in der DWD-Statistik. Und auch 2007/08 war es mit 2,7 Grad über normal viel zu mild. Der Winter 2012/13 war der trübste Winter seit Beginn der Aufzeichnungen, und Deutschland erlebte die wärmsten Weihnachtstage – Heiligabend herrschte in Freiburg bei 18,9 Grad T-Shirt-Wetter. Ostern fiel kälter aus. Aber die Durchschnittstemperatur war unter dem Strich ganz normal – im Februar wurde es noch einmal sibirisch kalt mit minus 22,9 Grad in Oberstdorf.

Mit dem Klimawandel haben die milden Winter nach Einschätzung der Klimaexperten aber nichts zu tun. Derzeit sei noch kein stabiler Trend zu milderen Wintern zu erkennen, aber „wenn die Projektionen recht behalten, müssen wir mit schneeärmeren Wintern im Flachland rechnen“, meint Friedrich.

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