Tierschutz:

Zirkus und Tierschützer streiten um den Dickhäuter

Sind sie ein Relikt aus vergangenen Zeiten? Zirkusse mit Wildtieren geraten immer wieder ins Visier von Tierschützern. Charles Knie fühlt sich zu Unrecht am Pranger.

Geht es der Elefantenkuh Baby in ihrem Auslauf wirklich gut: Tierschützer sagen ganz klar „Nein“. Sie kritisieren immer wieder die Lebensbedingungen von Wildtieren in Zirkussen.
Franziska Kraufmann Geht es der Elefantenkuh Baby in ihrem Auslauf wirklich gut: Tierschützer sagen ganz klar „Nein“. Sie kritisieren immer wieder die Lebensbedingungen von Wildtieren in Zirkussen.

Verspielte Grande Dame – welche 43-Jährige kann sich schon mit einem solchen Attribut schmücken? Baby kann es. Als ausgewachsene Elefantenkuh ist sie definitiv eine „große Dame“. Und dass ihr dennoch der Schalk im Nacken sitzt, beweist ihr flinker Rüssel, mit dem sie nach allem fischt, was nicht niet- und nagelfest ist. Das Dickhäuter-Mädel gehört zu den drei Elefanten, die derzeit mit dem Zirkus Charles Knie durch die Lande ziehen.

Und das macht sie zu einem heiß diskutierten „Objekt“. Denn erneut streiten Tierschützer und Zirkusse darum, ob bestimmte Wildtierarten aus reisenden Unternehmen verbannt werden müssen. Der Deutsche Tierschutzbund fordert ein Wildtierverbot für Zirkusse. Der Bundesrat hatte 2011 ein Verbot von Großaffen, Elefanten, Bären, Giraffen, Nashörnern und Flusspferden in der Manege gefordert, die Bundesregierung ist darauf aber bisher nicht eingegangen. Sie verweist auf die Berufsfreiheit der Dompteure und Eigentumsrechte der Zirkusunternehmen. Dompteure könnten aber auch andere Tiere trainieren, heißt es beim Tierschutzbund.

Kommunen können Zirkussen den Festplatz verwehren

Erneut losgetreten hat die Diskussion Baden-Württembergs Tierschutzbeauftragte Cornelie Jäger. Sie hat Kommunen rechtliche Tipps an die Hand gegeben, wie sie Zirkussen mit Elefanten oder Giraffen den Zugang zu den Festplätzen verwehren können.

Nach Angaben des Deutschen Tierschutzbundes gibt es bundesweit schon etliche Städte, die Auftritte von Zirkussen mit Wildtieren bei sich einschränken. In München etwa dürften sie nur auf die Theresienwiese, in Stuttgart nur auf den Cannstatter Wasen.

Doch Jägers Tipps an die Kommunen schmeckten dem Zirkus Charles Knie um Direktor Sascha Melnjak gar nicht. Durch die Hintertür versuche Jäger einzuführen, was politisch gescheitert sei, beklagt Pressesprecher Sascha Grodotzki. „Sollte Frau Dr. Jäger mit Ihrer Empfehlung an die Gemeinden Erfolg haben, wird den Zirkusbetreibern das notwendige Fundament genommen, um überhaupt das Tierfutter finanzieren zu können.“

16 europäische Länder haben Wildtier-Verbote

Als Resultat seien Zirkusbetreiber gezwungen, die Tiere abzugeben. Doch in den Zoos würden Zirkustiere leiden, weil Menschennähe und Beschäftigung fehlten. Und in der Wildnis könnten sie nicht überleben. Das Resultat für die Tiere wäre vermutlich ein Einschläfern, so die These.

Das hält Jäger für überzogen. Sie wisse allein von 14 Plätzen, wo Elefanten unterkommen könnten. Zudem sei nicht davon auszugehen, dass gleich alle Kommunen Wildtiere bei sich verbieten.

90 Tiere tummeln sich bei Charles Knie auf dem Asphaltplatz, auch Zebras, Antilopen, Kängurus, Lamas und Seelöwen. Sie sehen gepflegt aus. In der Manege laufen viele nur Runden. Die Elefanten gehen aber auch auf die Hinterbeine, während Frauen auf ihren Rücken reiten. „Die Zuschauer lieben es“, sagt der Sprecher. Ohne die Tiere könnten sie dichtmachen. Die Vierbeiner seien zum Teil seit Generationen an Mensch und Transport gewöhnt.

Die Gehege auf dem Asphaltplatz in Reutlingen wirken klein. Aber sie würden den Vorschriften entsprechen, betont Grodotzki. Die Vorschriften in Deutschland seien so streng wie in keinem anderen europäischen Land, sagt er. Die Tierschutzorganisation Peta sieht Deutschland dagegen eher als Schlusslicht: 16 andere europäische Länder hätten bereits Verbote verabschiedet.

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