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Bei Milchbauern alles im Fluss

Mecklenburg-Vorpommerns Milchbauern sind auf den Wettbewerb nach dem Wegfall der Milchquote nach Ansicht der Landesregierung gut gerüstet. „Die Anträge ...

Bei der Agrarministerkonferenz in dieser Woche wollen die Milchbauern wieder für ihre Forderungen nach höheren Preisen auf die Straße ziehen. So, wie sie es bereits 2009 taten, als sie deshalb rund 300 000 Liter Milch verschütteten.

Mecklenburg-Vorpommerns Milchbauern sind auf den Wettbewerb nach dem Wegfall der Milchquote nach Ansicht der Landesregierung gut gerüstet. „Die Anträge auf Investitionen in dem Sektor bei uns sind ungebremst“, sagte Agrarminister Till Backhaus (SPD) auf dem Milchbauerntag des Bundes deutscher Milchviehhalter (BDM) vor rund 100 Bauern in Karow. Die Umstrukturierung zugunsten größerer Milchviehbetriebe gehe weiter, erläuterte Backhaus. Im Nordosten gebe es 900 Milchbauern,also 130Milchbauern weniger als 2008. Dabei gebe es aber in diesen Betrieben 4000 Milchkühe mehr als 2008, insgesamt rund 178 000 Rinder. In Bayern gibt es im Vergleich 38000 Milchviehbetriebe, davon die Hälfte im Nebenerwerb.

Kritik äußerte Minister Backhaus am Lebensmittelhandel, dessen Konzerngewinne von den Bauern über den „desaströsen Milchpreis“ subventioniert würden. „Bei einem Milchpreis von 34 Cent pro Kilogramm Milch – wie derzeit – subventioniert jeder Milchbauer die Konzerne mit fünf Cent.“ Grund dafür sei, dass die Bauern diese Gelder erst nach einer 90-Tage-Frist bekämen, obwohl der Handel das Geld bei Frischeprodukten schon nach maximal zehn Tagen in den Kassen hätte. Laut BDM müsste ein kostendeckender Milchpreis sogar bei 50 Cent pro Kilogramm Milch liegen. „Wir sind mit 198 Kühen pro Betrieb schon sehr weit“, erklärteMinisterBackhaus.

Backhaus träumt von einer großen Erzeugergemeinschaft

Bundesweit liege der Schnitt bei 45 Kühen pro Betrieb. Trotzdem gehe an möglichst großen Milcherzeugergemeinschaften kein Weg vorbei. „Mir wäre am liebsten, in ganz Deutschland gibt es nur eine große Erzeugergemeinschaft“, erklärte Backhaus. In Norddeutschland wurde inzwischen auch eine solche Gemeinschaft gegründet. Landwirte fordern sogar eine europaweiten Erzeugerverband.

Die Milchbauern investierten trotz der komplizierten Bedingungen, sagte der Minister. Allein 42 Prozent aller Förderanträge im Agrarbereich beträfen die Milchviehhaltung. Der Wettbewerb und auch die Flächenkonkurrenz werde aber härter werden. So seien im Nordosten bereits 50 000 Hektar Agrarfläche verloren gegangen – unter anderem an Städte- und Infrastrukturbaumaßnahmen. Auch die Konkurrenz durch die Erzeugung erneuerbarer Energien wachse.