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Bengel statt Engel

VonAlexandra BülowWird das Kind beim Klauen oder Randalieren erwischt, sind Eltern schockiert. Panik und Vorwürfe helfen jedoch nicht weiter.Berlin.Das ...

Schnell mal das Portemonnaie mitgehen lassen[KT_CREDIT] FOTO: A. Scheidemann

VonAlexandra Bülow

Wird das Kind beim Klauen oder Randalieren erwischt, sind Eltern schockiert. Panik und Vorwürfe helfen jedoch nicht weiter.

Berlin.Das Telefon klingelt, es meldet sich ein freundlicher Polizeibeamter und bittet darum, das Kind von der Dienststelle abzuholen. Es sei beim Klauen erwischt worden, beim Beschmieren von Hauswänden oder beim Schwarzfahren. Egal – die Eltern sind fassungslos, die Gedanken rasen: Mein Kind ist kriminell! Oft ist das Ganze aber weniger dramatisch, als anfangs gedacht.
Mit falscher Erziehung oder Versagen der Eltern habe dies nichts zu tun, meint Rainer Schütz, Geschäftsführer von Nummer gegen Kummer und Leiter des bundesweiten Elterntelefons: „Oft ist der Grund für eine Straftat eine Mutprobe oder Gruppendruck in einem Alter, in dem man dazugehören möchte.“ Bewegten sich die Vergehen im Bagatellbereich und bleibe es bei mittelschweren Verstößen, raten Experten zu Gelassenheit.
Eltern kann es in solch einem Moment helfen, sich an die eigene Jugend zu erinnern. Kaum einer dürfte während dieser Zeit immer ein Engel gewesen sein. Die Eltern sind bei einem solchen Vorfall dennoch schockiert. „Sie sollten sich beruhigen, statt im Affekt zu reagieren und das Kind aufgebracht zur Rede zu stellen“, sagt Andreas Engel von der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung in Fürth. Sinnvoll sei es, sich zu einer Familienkonferenz zusammenzusetzen.
Dabei geht es nicht um einen Vortrag oder ein Verhör der Eltern, sondern um Interesse am Kind. „Lassen Sie das Kind schildern, wie es zu der Straftat kam und wie es die Situation erlebt hat“, sagt Engel. „Kinder unter 14 Jahren sind auf den Moment bezogen und bedenken die Konsequenzen nicht“, sagt Sabrina Hoops, Wissenschaftlerin am Deutschen Jugendinstitut in München. Die sollten die Eltern ihnen im Gespräch aufzeigen, nämlich, wie Instanzen wie Polizei und Justiz reagieren und dass man geradestehen muss für seine Taten – mindestens mit einer Entschuldigung. Bleibt es nicht bei einer Straftat, sind Eltern mit ihrem Latein am Ende. Dann helfen zum Beispiel Erziehungsberatungsstellen oder das Jugendamt, sagt Hoops.